Abweisend vermeidend? Schlüssel zur Heilung

Abweisend vermeidend – ist das überhaupt therapierbar?

Der abweisend vermeidende Bindungsstil wird oft mit offenem oder verdecktem Narzissmus, der als weitestgehend therapieresistent gilt in Verbindung gebracht. (siehe auch: Narzissmus Typen)

Menschen mit diesem Bindungsstil fällt es schwer, ihre Bindungsproblematik anzuerkennen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Zum einen ist ihr Leidensdruck meist gering. Zum anderen bedeutet die Bereitschaft, sich mit den eigenen Traumata und Konditionierungen zu beschäftigen in ihrem Fall, sich per Beschluss und ohne echte Not den bisher vermiedenen starken Ängsten zu stellen. Widerstände sind demzufolge normal. Ängstliche Bindungstypen haben andere Voraussetzungen dafür, sich ihrer Bindungsproblematik anzunehmen, denn sie geraten irgendwann in Lebenssituationen, in denen ihr Schmerz die Angst vor Veränderung um ein Vielfaches übersteigt. Ihre Widerstände zeigen sich erst später im Verlauf der Therapie.

Menschen mit einem abweisend vermeidendem Bindungsstil entscheiden sich zwangsläufig seltener für eine bewusste Betrachtung und Lösung ihrer Traumata und Konditionierungen. Wenn sie es aber tun und die ersten 3Schlüssel zur Heilung überwunden haben, dann bleiben sie in der Regel konsequent am Ball. Die restliche Transformation wird leichter.

Schlüssel zur Heilung

Die ersten 3Schlüssel sind Grundlage und sie bedingen sich gegenseitig.

  1. Lerne dich selbst kennen. Das ist ein allererster Schritt, um den Zyklus der Unterdrückung von Gefühlen durchbrechen zu können. Es erfordert die Lösung tief verinnerlichter Glaubensmuster, wie „Ich werde nur dann akzeptiert und angenommen, wenn ich keine Gefühle zeige.“ Die Unterdrückung von Emotionen diente dir ursprünglich als Schutz vor Angreifbarkeit. Emotionen erzeugen in dir ein Gefühl des überwältigt werdens und des ausgeliefert seins. Die Lösung dieser Verknüpfungen ist wichtig, damit du deine Bedürfnisse und Wünsche überhaupt wieder wahrnehmen kannst.
  2. Erlaube es dem Gefühl da zu sein. Das ist für dich extrem beängstigend, weil es für dich zur Überlebensstrategie geworden ist, deine Emotionen nicht zu fühlen. Erkenne, dass das für dich als Erwachsener nicht nur ein veraltetes sondern auch sehr destruktives Muster ist. Viele Menschen mit diesem Bindungsverhalten assoziieren das Zulassen von Gefühlen mit dem sogenannten „emotional dumping“ – mit heftigen emotionalen Gefühlsausbrüchen. Werde dir dessen bewusst, dass wir unsere Gefühle nicht zwangsläufig auf diese ungesunde Weise an anderen auslassen müssen. Lerne wieder zu fühlen, nach innen zu gehen und Emotionen zu verarbeiten. Erkenne: Ein Gefühl ist ein wunderbares Geschenk. Entweder erlaubt es dir herauszufinden, was gerade in dir und unter der Oberfläche passiert und gibt dir damit die Möglichkeit, etwas zu verändern. Oder du erfährst etwas über ein unbefriedigtes Bedürfnis, für das du dann bewusst Sorge tragen kannst. In beiden Fällen löst es sich dann auf.
  3. Lerne Gefühle zu verarbeiten. Nimm das Gefühl wahr. Bleibe bei ihm. Lenke dich nicht ab. Mach dir klar, welche konkreten Strategien du bisher benutzt hast, um deinen Gefühlen zu entkommen. Entscheide dich bewusst gegen sie.
  4. Stoppe die Selbstbeschämung. In der Beziehung zu dir selbst spielen Herabsetzung und Beschämung aufgrund des internalisierten Glaubenssatzes: „Ich bin defekt / nicht richtig.“ eine grosse Rolle. Es wird dir im Aussen durch deine Sensitivität hinsichtlich Kritik gespiegelt. Erkenne: Es gibt nichts, was deinen harschen Umgang mit dir selbst rechtfertigt. Schätze stattdessen dein bisheriges Leben ehrlich ein. Ersetze Schamgefühle („Ich bin nicht richtig.“), die Veränderung blockieren mit Verantwortungsübernahme.
  5. Übe es dich verletzlich zu zeigen. Punkte 1 bis 3 sind Voraussetzung dafür, denn du hast ohne deren Lösung oft keine Ahnung, was du gerade fühlst. Du bist im Kopf und es fehlt dir der Zugang zu deinem Körper. Erst wenn du dich selbst wieder besser spürst kannst du Schlüssel5 in Angriff nehmen. Gehe langsam vor ohne dich unter Druck zu setzen. Teile bewusst ab und zu eine persönliche Erinnerung oder ein Gefühl mit einem Menschen, dem du vertraust und versuche deine Bedürfnisse zu artikulieren. Achte darauf, was das Resultat dessen ist. Wie fühlt es sich an? Fühlst du dich dadurch mehr getrennt oder verbunden? Beweise dir immer wieder selbst, dass deine Angst unberechtigt ist.
  6. Werde etwas großzügiger. Mit den Punkten 1 bis 5 kümmerst du dich um Aspekte in dir, deren emotionale Bedürfnisse in der Kindheit nicht gestillt wurden. Das sorgt dafür, dass du den Überlebensmodus verlassen kannst, was dich wiederum in die Lage versetzt großzügiger mit anderen zu sein. Wenn wir uns im Fight-or-Flight-Modus befinden denken wir nur an uns. Und das war für dich bisher Normalität. Es wurde zur unterbewussten Komfortzone.  Während des Heilungsprozesses lernst du allmählich ein bisschen auf andere zu vertrauen, dich auf andere zu verlassen und einzulassen. Übe dich im geben, im dich öffnen, im teilen und mitteilen und nimm wahr, wie sich das anfühlt und auswirkt. Das Gefühl des Mangels löst sich, wenn du realisierst, dass du dich damit sicher fühlen kannst.
  7. Lerne deine Bedürfnisse zu kommunizieren. Du hast bisher aufgrund des ausgeprägten Mangelempfindens an allem, was du bekommen konntest festgehalten. Dein ängstlicher Partner tendierte vielleicht dazu über die Maßen zu geben, aber weniger die Dinge, die du eigentlich brauchtest. Die fehlende Kommunikation deiner Bedürfnissen hat bisher in Beziehungen zu unschönen Dynamiken beigetragen. Weil Klarheit fehlte hast du dich oft nicht gesehen und dein Partner sich ausgenutzt gefühlt.
  8. Sei aufmerksam mit dir. Sorge gut emotional und körperlich für dich.
  9. Befriedige deine Bedürfnisse auf eine gesunde Weise. Erkenne dass es Grundbedürfnisse für’s Überleben gibt und Bedürfnisse, die erfordern, dass ich mich spüre und andere wirklich wahrnehme. Letztere sind die, die mir mehr Langzeitbefriedigung verschaffen. Ein paar Beispiele dazu:

„Ich fühle mich ein bisschen einsam.“ Ich kompensiere es nicht mehr dadurch, dass ich mir Filme anschaue, in dem Menschen in intimen Situationen dargestellt werden und die sich verbunden fühlen. Stattdessen suche ich tiefere Gespräche mit Menschen, die mir wichtig sind.

„Ich fühle mich unsicher.“ Ich werde mich nicht mit Fernsehen, Spielen oder mit noch mehr Arbeit von dem Gefühl ablenken. Stattdessen finde ich heraus, was mich konkret unsicher macht. Dann entwickle ich Strategien und mache Pläne, die mir helfen mich in diesem Lebensbereich sicherer zu fühlen.

Mehr Info zu diesem Bindungsmuster: Bindungsstil abweisend vermeidend

Zu jedem Schlüssel bekommst du im Coaching detaillierte Unterstützung in Form von Modulen und 1:1-Sitzungen.