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Bindungs-Stile

Bindungs-Stile

Wie beeinflussen Bindungs-Stile die Qualität unserer Beziehungen?

Die ersten Bindungen in deinem Leben – die zu den Eltern bzw. anderen Bezugspersonen – bestimmen, welches Bild von Beziehung du entwickelt hast. Die Qualität der zwischenmenschlichen Interaktionen, die dir zuteil geworden ist (Verläßlichkeit und Einfühlungsvermögen) bestimmt, wie du dich später als erwachsener Mensch in Beziehungen verhalten wirst und wie wohl du dich in Beziehungen fühlst.

Erstmals hat die Entwicklungspsychologin Mary Ainsworth (neben John Bowlby) vor ein paar Jahrzehnten intensiv untersucht , wie die kindliche Prägung unsere Beziehungsfähigkeit beeinflusst: Sie brachte dazu Kinder mit ihren Müttern in ungewohnte Situationen und dokumentierte dabei die unterschiedlichen Verhaltens- und Reaktionsweisen. Sie repräsentierten die individuelle Art der Bindung des Kindes zur Mutter.

Wenn deine Prägungsphase nicht optimal verlaufen ist – und das ist für sehr viele Menschen der Fall – dann sind vor allem intime Beziehungen für dich schwierig und Konflikt beladen. Denn du inszenierst unbewußt als Erwachsener die Art der Beziehung, die du zu deinen Eltern hattest in Liebesbeziehungen immer wieder neu. Es ist im Prinzip ein unbewusster Versuch, die kindliche Beziehung zu den Eltern zu heilen. Dann kämpfst du immernoch darum, dir damals verwehrte unerfüllt gebliebene Bedürfnisse nach Liebe und Zuwendung erfüllt zu bekommen. Romantische Beziehungen sind der Spiegel dessen, wie du dich als Kind – insbesondere vom gegengeschlechtlichen Elternteil – angenommen, gesehen und geliebt gefühlt hast. Sie spiegeln welches Grundkonzept von Liebe du verinnerlicht hast, weil es dir so vorgelebt wurde.

Wenn du aufgrund bestimmter Kindheits-Erfahrungen Liebe unbewußt mit Schmerz in Verbindung bringst, dann wirst du Partner in dein Leben ziehen, die dir diesen Glaubenssatz immer wieder bestätigen. Und du wirst selbst den Impuls verspüren Dinge tun, die deine Beziehungen untergraben und sabotieren.

Deine intimen Beziehungen sind Spiegel des Ur-Vertrauens, das du in die Welt, in dich und andere Menschen hast.

Ein unsicherer Bindungs-Stil ruiniert zwangsläufig deine Beziehungen ohne dass du überhaupt eine Kontrolle darüber hast.

Es gibt vier Grund-Bindungs-Stile, aber auch viele Mischformen, da sie das Ergebnis aus der Konstitution des Kindes und der individuellen Situation in der Ursprungsfamilie sind. Die Kategorisierung ist lediglich ein Hilfsmittel, um sich Hintergründe und Dynamiken bewußt zu machen. Und diese Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen ist ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zur Heilung.

Man schätzt, daß ca. 50% der deutschen Bevölkerung einen sicheren Bindungs-Stil haben. Wenn du dich in deiner Partnerbeziehung , in der Beziehung zu deinen Kindern und Familienangehörigen grundsätzlich wohl fühlst, wenn du sowohl Freiraum als auch Nähe genießen kannst und weißt, dass du um deiner selbst Willen geliebt wirst, dann kannst du dich glücklich schätzen. Es ist die Grundvoraussetzung für ein erfülltes Leben und langfristige körperliche und seelische Gesundheit. Beziehungs-Streß macht krank. Er wird bei vielen Menschen zum Dauer-Energieräuber.

Traumatische Erlebnisse in der Kindheit führen zur sogenannten Dissoziation (Abspaltung bestimmter Persönlichkeitsanteile). Je stärker die Ausprägung desto heftiger die Beeinträchtigungen im täglichen Leben und desto Problem beladener die Beziehungen zu anderen Menschen.


Persönlichkeitsstörung (Klassifikation nach ICD-10)

Eine Persönlichkeitsstörung (Klassifikation nach ICD-10) ist lediglich die Spitze des Eisbergs der drei unsicheren Bindungs-Stile:


Wenn du bis hier her gelesen hast, dann wirst du deine Beziehungen wahrscheinlich als problematisch erleben, aber du kannst das ändern. Es braucht nur Offenheit, den Willen dich selbst zu reflektieren und andere besser verstehen zu wollen, Mut zur Veränderung und ein bißchen Disziplin.

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Teste hier deinen Bindungsstil und dein Bindungsverhalten

Je höher dein Insecurity-Score umso wahrscheinlicher ist es, dass dich enge Beziehungen überfordern.


1.Ich verliere mich (mein Selbst) schnell in einer Beziehung.


2.Ich tendiere dazu mich in einer Beziehung zu vernachlässigen.


3.Ich mache Kompromisse über die ich mich später ärgere.


4.Es zählt für mich, wenn mein Partner etwas aus freien Stücken für mich tut, nicht wenn ich danach fragen muss.


5.Wenn ich meinen Partner um etwas bitte und es bekomme bin ich manchmal trotzdem unzufrieden.


6.Ich fühle mich von meinem Partner oft nicht verstanden.


7.Wenn mein Partner ein Versprechen nicht einlöst, dann nehme ich es persönlich.


8.Ich ärgere mich darüber, wenn mein Partner etwas was ich tue als lieblos empfindet obwohl ich es gut meine.


9.Ich frage mich ob mein Partner und ich grundsätzlich zu verschieden sind.


10.Ich kämpfe sehr lang bevor ich jemanden um Hilfe bitte.


11.Ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Eltern oft stolz auf mich waren.


12.Es geht mir sehr unter die Haut, wenn sich etwas in der Beziehung unfair anfühlt.



 WIE DU SICHERHEIT IN BEZIEHUNGEN ERZEUGST


1.Es fällt mir leicht Zusammensein und Getrenntsein auszubalancieren.


2.Mein Partner darf wachsen und sich verändern wie er möchte ohne dass es bedrohlich auf mich wirkt.


3.Es fällt mir leicht mich zu meinem Partner zu bekennen und dieses Bekenntnis zu leben.


4.Ich brauche meinen Partner im selben Maß wie er mich braucht.


5.Wenn etwas in meiner Partnerschaft einmal nicht so gut läuft kann ich geduldig sein und warten bis sich eine gute Lösung zeigt.


6.Wir können einen Konflikt haben ohne dass einer von uns die Schuld zugeschrieben bekommt.


7.Ich sage meinem Partner alles. Wenn es etwas gibt was ich nicht erwähnt habe, dann weil ich absolut sicher bin, dass es ihn nicht stören würde.


8.Wenn wir Meinungsverschiedenheiten haben, dann strebe ich nach einer guten Lösung für uns beide.


9.Wenn ich meine Bedürfnisse zurückstelle um meinem Partner entgegen zu kommen, dann bin ich mir sicher dass diese Bedürfnisse schließlich beachtet werden.


10.Ich kann meinen Partner darum bitten was ich brauche. Es wird in der Regel auf die eine oder andere Art und Weise erfüllt.


11.Wenn wir einen Streit haben dann bin ich bemüht uns beiden zu helfen, dass wir uns wieder okay fühlen.


12.Meine vergangenen Beziehungen endeten durch eine einvernehmliche gut überlegte Entscheidung.



Wie oft zeigst du in deiner Beziehung Unsicherheit durch ängstliche oder vermeidende Muster?

(Bitte wähle von den zwei Optionen die, die eher für dich zutrifft!)


1.Es ist schwerer für mich geduldig zu sein, wenn…


2.Wenn sich eine neue Beziehung entwickelt, die bedeutsam werden könnte, stößt es mich ab, wenn die Person…


3.Konflikte sind…


4.Wenn ich mich über meinen Partner ärgere, dann…


5.Ich fühle mich in der Beziehung am unwohlsten, wenn…


6.In meiner Beziehung möchte ich mich…


7.Wenn mich etwas überfordert fühle ich mich besser, wenn…


8.Es gibt bestimmte Dinge, die ich meinem Partner nicht erzähle, weil…


9.Mein Partner beschwert sich öfter darüber dass…


10.Wenn wir Zeit getrennt verbringen, dann…


11.Wenn ich mich durch meinen Partner verletzt fühle, dann geht es mir besser, wenn…


12.Es würde mich mehr verärgern, wenn mein Partner seinen Freunden…



Im Folgenden möchte ich dir die drei unsicheren Bindungs-Stile näher erläutern:

Ängstlich vermeidendes Bindungsverhalten

Ängstlich vermeidendes Bindungsverhalten Kennzeichnend für Menschen mit diesem Bindungs-Stil ist ihr ambivalentes Verhalten. Ängstliche Vermeider haben zwar ein Verlangen nach Nähe und möchten sich jemandem zugehörig fühlen, sie [...]

Ängstlich überinvolviertes Bindungsverhalten

Ängstlich überinvolviertes Bindungsverhalten Dieser Bindungs-Stil hat seinen Ursprung in einer inkonsistenten emotionalen Unterstützung des Kindes durch seine Bezugspersonen. Er entwickelt sich, wenn Eltern zwar in der Lage sind [...]

Abweisend vermeidendes Bindungsverhalten

Abweisend vermeidendes Bindungsverhalten Der tief verankerte Glaube sich nicht auf andere verlassen zu können ist kennzeichnend für Menschen dieses Bindungstyps. Sie sehen die Welt durch einen Wahrnehmungsfilter, der [...]

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