Die Essenz der Männlichkeit

Das Rollenverständnis des modernen Mannes ist gespalten. Der Begriff “Männlichkeit” löst kontroverse Assoziationen und regelrechte Verunsicherung aus. Gibt es auf die Frage, wann ein Mann ein Mann ist klare Antworten?

Viele Männer haben das Bedürfnis danach, an ihrem traditionellen Rollenverständnis festzuhalten. Das hat gute Gründe. Ebenso präsent ist auch ein anderer Aspekt, einer der sich nach Ursprünglichkeit, Unangepaßtheit, Emotionalität und Spontanität sehnt. Es erzeugt eine gewisse Zerrissenheit, aber auch Unsicherheit und Angst. Beim weiter lesen möchte ich jeden Mann dazu ermutigen zu schauen, wo er sich selbst wiederfinden kann.

Der Anteil “Ich will die Tradition”

Es ist wichtig zu erkennen, daß die “traditionelle Rolle” des Mannes nichts Angeborenes ist. Sie ist wie eine Art Anzug, den ein Mann überstreift, wenn er den Prozeß der Sozialisierung in seiner Ursprungsfamilie durchläuft. Dabei entwickelt sich eine ganz eigenartige Mischung aus dem was er intuitiv für männlich hält und dem was er von den Eltern vorgelebt bekam bzw. was ihm direkt oder subtil von ihnen zum Thema Mann sein vermittelt wurde.

Gedanken des traditionellen Aspekts im modernen Mann

Frauen stehen auf harte Männer. Ich bin kein emotionaler Mensch sondern eine sehr rational denkende Person. Verletzlichkeit ist Schwäche. Sie ist etwas weibliches. Ich möchte Erfolg haben und einen gewissen Status erreichen. Aber wenn ich das offen zeige bekomme ich von außen gemischte Rückmeldungen. Deshalb rede ich mit niemandem über meine Ansichten. Ich möchte für die materiellen Bedürfnisse meiner Familie sorgen. Das sehe ich als meine Aufgabe. Die Frau sollte mich in allem unterstützen, was ich tun will und tun muß. Sie sollte nicht mit mir in den Wettbewerb treten. Frauen wollen heutzutage alles. Du kannst es ihnen niemals Recht machen! Früher war es einfacher, weil es klare Rollen gab. Beziehungen sind heute eine Unmöglichkeit geworden. Es ist wie das Wandern über ein Minenfeld. Dir bleibt nur die Abschottung. Was ich offen zeigen kann, das ist mein Ärger oder meine Wut. Das ist auch ganz okay, denn es sind männliche Emotionen. Ich möchte, daß eine Frau süß und liebevoll ist. Was ich wirklich an Frauen hasse ist diese Bitterkeit! Ich möchte mich einfach gut fühlen. Eine einzige Frau kann das nicht für mich leisten. Ich erziehe meine Kinder nicht, weil ich es nicht richtig machen kann! Ich bin ja ein Mann und es wurde mir so vermittelt. Meine Wahrheit könnte ich ihnen sowieso nicht sagen. Also gebe ich es ab an die Mutter, die ja eh alles besser kann.

Der Anteil “Ich hasse die Tradition”

Dieser Teil des Mannes ist der, der sich in keine Box stecken lassen will. Er setzt sich gegen jede Festlegung und Begrenzung zur Wehr. In ihm versucht sich die angeborene männliche Essenz auszudrücken. Intuition und Genußfähigkeit setzen natürlich einen stärkeren Bezug und Zugang zu den eigenen Emotionen voraus. Das ist genau der Punkt, der dem traditionellen Anteil Angst einflößt.

Gedanken des wilden Aspekts im modernen Mann

Ich besitze eine Frau auf allen Ebenen, sonst wird es ein ander tun! Ich bin erwachsen und brauche keine Mutter. Ich bin für Frauen da und helfe ihnen zu wachsen. Frauen die arbeiten bedrohen mich nicht, aber ich denke nicht, daß sie arbeiten müssen. Meine Identität ist nicht davon abhängig, was eine Frau tut oder nicht tut. Ich brauche keine Unterstützung von Frauen, aber ich mag sie sehr. Etwas von einer Frau zu erwarten ist als ob man den Ozean zähmen möchte. Verletzlichkeit macht mir gemischte Gefühle: Ein Teil von mir kann und will tief fühlen. Aber ich fühle mich auch verantwortlich für die Menschen um mich herum. Deshalb lasse ich es nicht zu emotional zu “kollabieren”. Ich kann mich nicht komplett öffnen, wenn es für andere Konsequenzen hat (Ich denke das ist ein wichtiger Punkt, den Frauen oft übersehen!!). Wenn meine Kinder etwas älter sind, dann sehe ich es als meine Aufgabe ihnen die Welt zu zeigen. Die Frauenbewegung beschämt mich. Daß es sie gibt ist die Schuld der traditionellen Denkweise. Sie ist das Resultat dessen, daß Männer Frauen kontrollieren wollen statt sie zu besitzen.

Gemeinsamkeiten beider Anteile

Beide Anteile sehen sich als Führer. Sie wollen Versorger sein, Frauen unterstützen und stehen für die Verschiedenheit der Geschlechter ein. Sie möchten, daß wir erkennen, wer wir sind – Mann und Frau – ohne Wertung und mit angeborenen Stärken, Fähigkeiten und Schwächen.

Selbstreflexion des traditionellen Anteils

“Ich kann mir nicht vertrauen, weil ich ein Mann bin.” ist offensichtlich zu meinem Glaubenssatz geworden! Er resultiert aus Beobachtungen und Erfahrungen, die ich in der Kindheit in Bezug auf meine Eltern und deren Verhältnis zueinander gemacht habe. Das ist der Grund dafür, daß ich mich vom starken ursprünglichen Aspekt abgetrennt habe. Meine angeborene männliche Essenz wird durch die Ablehnung dieses Anteils geschwächt und nicht – wie ich bisher annahm – gestärkt. Ich erkenne, daß ich keine männliche Stärke und Kraft zeige, sondern eher eine Art permanente Wachsamkeit! Ich lebe das Leben eines gezähmten Tieres – eines Löwen, der glaubt ein Schaf zu sein.

Die Essenz der Männlichkeit

“Ich kann mir vertrauen, weil ich ein Mann bin!” Es liegt in meiner Natur zu führen und zu versorgen. Was Frauen tun hat darauf keinen Einfluß. Ich habe viel Energie. Es macht mich zwangsläufig erfolgreich in dem, was ich tue. Ohne Gefühle kann ich für niemanden wirklich da sein. Ich bin nur dann ein guter Führer, wenn ich berücksichtige, wie es meinem Gefolge geht. “Wenn alles was sich in meiner Obhut  befindet in bestem Zustand ist dann erlebe ich mich als Mann.”

Männlichkeit ist Stärke im Dienst der Liebe. Das ist vielleicht die Quintessenz. Es ist eine Art von Männlichkeit, die sich frei, kraftvoll und ursprünglich anfühlt.

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