Angst vor Intimität und Nähe

  • Intimität ist der wichtigste Aspekt einer sich gut anfühlenden Beziehung
  • Verborgen im Wort liegt ein Stück der Bedeutung: “Into me see”

Aber Intimität ist viel mehr als das: Es bedarf der Fähigkeit einen anderen Menschen zu sehen, zu hören und zu fühlen – mit dem aufrichtigen Wunsch ein Verständnis für seine interne Welt zu entwickeln. Viele Menschen haben gerade zu panische Angst davor und vermeiden Nähe um jeden Preis. Sie haben Angst, daß Intimität zu etwas führen könnte, was sich schlecht anfühlt:

Es ist die Angst davor, für das was man ist nicht akzeptiert zu werden:

  • daß das was man sich wünscht nicht toleriert wird
  • daß Wahrheiten später vom Gegenüber ausgenutzt werden
  • daß Schwächen und Verletzlichkeiten zum eigenen Vorteil verwendet werden
  • daß Bedürfnisse und Wünsche als Kontrollmittel benutzt werden
  • Verpflichtungen eingehen zu müssen
  • den anderen glücklich machen zu müssen
  • sich selbst und seine Freiheit zu verlieren
  • in die Schuld-Falle zu geraten
  • verurteilt und abgelehnt zu werden
  • verlassen zu werden
  • “verschlungen zu werden”
  • sich selbst zu verlieren

Wenn ein Kind geboren wird hat es das natürliche Bedürfnis nach Nähe zur Mutter. Angst vor Intimität entsteht, wenn es bei der Suche nach Nähe traumatisiert wird. Die Art und Weise, wie eine Mutter darauf reagiert, vom Kind gewollt, gebraucht und verstanden zu werden bestimmt, wie sicher sich später einmal Nähe und Intimität anfühlt.

Ursachen der Angst vor Intimität:

Das Hauptmerkmal von Haushalten, die Erwachsene mit Intimitätsproblemen hervorbringen ist, daß die interne Realität des Kindes nicht toleriert wird. “Ich toleriere deine Ideen nicht. Ich toleriere deine gefühle nicht. Ich werde deine Wahrheit nicht akzeptieren.” In einem solchen Umfeld wird das was das Kind fühlt, denkt und will als eine Herausforderung wahrgenommen. Die Botschaft, die das Kind bekommt ist, daß wie es sich fühlt und was es sich wünscht falsch, wertlos und beschämend ist und im Konflikt mit den Gefühlen, Gedanken und Wünschen der Eltern steht.

Die Botschaft lautet: ” Du kannst nicht dich UND mich gleichzeitig haben”, weil unsere Wahrheiten sich widersprechen.

Das Kind entscheidet, daß der Erwachsene Recht haben muß, um dem Terror zu entkommen, der aus dem wahrgenommenen Konflikt mit den Eltern entsteht, von denen es komplett abhängig ist. Es ist gezwungen seine Gedanken, Gefühle und Wünsche zu verleugnen und die Eltern zu idealisieren. Das Zulassen negativer Gedanken würde zu überwältigender Angst führen. Die Wahrheit des Kindes wird so vom Elternteil “verschlungen”, wie die Beute vom Raubtier. Für das Kind ist es eine Strategie dem Konflikt zu entkommen und sich gleichzeitig vor dem verlassen werden zu schützen. Aber es fühlt sich vereinnahmt und überrannt… Es verliert sich selbst.

Eine andere Problematik, die zu Angst vor Intimität führt ist, wenn das Kind durch das Äußern von Gefühlen und Gedanken befürchten muß, daß ein Elternteil darunter kollabieren könnte: Leidet ein Elternteil unter Depressionen, einer psychischen Erkrankung oder Sucht-Verhalten, dann glaubt ein Kind unter Umständen, die Preisgabe seiner internen Welt könnte dazu führen, daß der Vater oder die Mutter als Folge dessen zusammenbricht. Dieses Kind wird alles über sich in sich behalten um das Wohl des Elternteils nicht zu gefährden! Und es nimmt dieses Verhalten mit ins Erwachsenen-Leben. Ist der Erwachsene Suizid-gefährdet, dann lernt es keine negativen Gefühle zu zeigen, um dessen Dekompensation in Form von selbstschädigendem Verhalten nicht auszulösen.

Das Kind lernt also seine innere Realität niemals mit anderen zu teilen! Es läßt in Folge dessen als Erwachsener niemanden in sich hinein und bietet sich auch niemandem an. Um so zu leben muß es sich von der eigenen persönlichen Wahrheit abgrenzen. Es muß sich von seinen Gefühlen, Gedanken und Wünschen distanzieren. Auch von seinem Bedürfnis nach Nähe zu anderen Menschen.

Das Herz eines solchen Menschen ist gebrochen. Es ist nicht in der Lage zu heilen, weil er keinen Weg gefunden hat, diesen Schmerz nicht gesehen, gehört und um seiner selbst geliebt zu werden, aufzulösen.

Auswirkungen von Angst vor Intimität:

Ein Mensch mit Angst vor Intimität distanziert sich von seinen Gefühlen, Gedanken und Wünschen, sodaß Bedürfnisse nicht bewußt befriedigt werden können. Sie verschwinden deshalb aber nicht! Die Folge dessen sind Kontrollverluste, impulsives Handeln im Affekt und ein richtungsloses dahin leben.

Beziehungen zerbrechen, wenn man ist nicht in der Lage auf die Bedürfnisse des Gegenübers einzugehen: Du kannst die eigenen Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse nicht ablehnen ohne daß du es nicht auch beim Partner tust! Es würde ein Gefühl von Ungerechtigkeit erzeugen, wenn du dich um den Partner bemühst. So sieht ein Mensch mit Angst vor Intimität die offensichtlichen Dinge, mit denen er andere Menschen verletzt einfach nicht. Er kann nicht in eine Beziehung investieren. Weil er sich im Inneren nicht auf eine emotionale Verbindung zum Partner einläßt kann er die Gefühle des Partners auch komplett ausblenden. Sein Verhalten wirkt egozentrisch und empathielos.

Nähe wird um jeden Preis vermieden weil sie zwangsläufig Verletzlichkeit mit sich bringt. Ein Teufelskreis entsteht: Das Gefühl nicht gesehen, gehört, gewollt und geliebt zu werden verstärkt sich weiter. Einsamkeit und Isolation sind die Endkonsequenz.

Was kannst du gegen Angst vor Intimität tun?

  1. Komme wieder in Verbindung mit deinen Gefühlen: Sie sind wie ein Kompaß in deinem Leben. Über sie findest du heraus, was du willst und was dich momentan davon abhält es zu erreichen. Treffe die bewußte Entscheidung zu fühlen! Versuche in kleinen Schritten deine Gefühle einer Person der du vertraust mitzuteilen.
  2. Suche nach den Anteilen in dir, die der Angst vor Intimität Brennstoff geben (die Anteile, die Nähe ablehnen). Fühle in sie hinein. Verstehe sie und erfülle die Bedürfnisse, die sie haben.
  3. Übe täglich das Wahrnehmen anderer, das erkennen ihrer Signale und Gefühle! Sei dir bewußt, daß du dich wie in einer Blase von der Außenwelt abgeschottet hast. Mach dir bewußt, daß du andere Menschen ausblendest, weil DU vor langer Zeit nicht beachtet wurdest! Deshalb bemerkst du Anzeichen von Streß in ihnen nicht. Und so kannst du dein Verhalten der Situation und dem, was andere von dir bräuchten, nicht anpassen. Du befindest dich damit in einem TEUFELSKREIS: Du wirst buchstäblich zur Gefahr für andere: Sie sehen in dir einen Egoisten, Narzißten oder Psychopathen… Die Welt wird immer feindseliger für dich und Intimität wird zur immer größer werdenden Gefahr!!
  4. Erkenne Situationen in denen du aus dem Kontakt gehst: Wenn du dich fühlst wie ein Kopf ohne Körper (ein Hirn ohne Herz) ist das ein Indikator dafür! Achtung: In diesen Situationen reagieren Menschen auf dich mit Angst, Bedürftigkeit und Wut! Sie spiegeln DEINE nicht gefühlten Emotionen. Wut ist eine Cover-Emotion von Hilflosigkeit. Entscheide dich in diesen Situationen dafür, nicht zu flüchten und dich abzulenken! Sei mit diesen Gefühlen präsent. Lasse dich in sie hinein fallen. Es ist der einzige Weg die Negativ-Spirale in deiner Beziehung zu durchbrechen und zu verhindern, den Menschen mit dem du verbunden sein willst zu verlieren.
  5. Mit einem Partner, der wirklich mit dir sein will, wenn du dich öffnest kannst du heilende Erfahrungen sammeln. Dieser Mensch muß einfach da sein können, wenn du Hilflosigkeit, Bedürftigkeit und Wut fühlst, ohne etwas daran ändern zu müssen. So kann er deine Wahrheit annehmen und ehrliche Intimität erzeugen.
  6. Bekenne dich zu Authentizität. Das hatte für dich als Kind negative Konsequenzen. Erkenne welchen Schmerz ein nicht authentisches Leben erzeugt.
  7. Checke deine momentanen Prioritäten! Sie liegen in Bereichen, die deine Angst vor Nähe nicht triggern, in denen du keine Verletzlichkeit zeigen mußt und in denen du Selbstvertrauen hast. Priorisiere deine Beziehung! Ein Leben für Erfolg ist nutzlos, wenn du niemanden hast, mit dem du es teilen kannst.
  8. Erkenne wo dich positive Gefühle vielleicht sogar mehr triggern, als negative! Das Gefühl von Liebe und Geborgenheit steht im Konflikt mit deiner Realität und dem was du unterbewußt glaubst. Finde deine konkreten hinderlichen Glaubenssätze. Durch sie entwickelst du in schönen Momenten Zweifel und Mißtrauen. Du bist dann versucht Probleme zu schaffen wo keine sind, um deinen Partner weg zu stoßen. Das ist super verwirrend und verunsichernd für ihn! Es nimmt ihm auf Dauer selbst jede Freude, weil er die nächste Katastrophe förmlich schon erwartet. So “konditionierst” du ihn unterbewußt darauf, vor dir weg zu laufen, denn nur dann bist du bereit Gefühle zu zeigen. (Die Folge ist eine klassische ON-OFF-Beziehung.)
  9. Erkenne deine Schamgefühle! Sie sind die Wurzel der Angst vor Intimität.
  10. Erkenne es wenn du Menschen weg schiebst! Gebe deinem Partner die Erlaubnis dich darauf hinzuweisen. Du mußt dir dessen bewußt werden! Wenn du Angst vor Nähe hast ist deine Selbstwahrnehmung begrenzt. Es ist ein Lernprozeß für dich zu erkennen, was du durch dein Verhalten in anderen Menschen auslöst. So kannst du im Laufe der Zeit intervenieren bevor du es ausagierst und deine Beziehung schädigst.
  11. Versuche die interne Welt deines Partners kennenzulernen! Nimm dieses Risiko einfach an.
  12. Entdecke deine Bedürfnisse und kommuniziere sie deinem Partner. Er wird sie erfüllen wollen, weil es ihn glücklich macht.
  13. Akzeptiere, daß du es erst lernen mußt eine gute Beziehung zu führen. Wirf alte Paradigmen weg, die dir hinderlich sind.
  14. Übe mit einem Menschen dem du vertrauen kannst, dich verletzlich zu zeigen. Es ist die wichtigste Grundlage für deine Beziehung.
  15. Verstehe, daß du mit anderen umgehst, wie deine Eltern damals mit dir umgegangen sind. Du begegnest so den Gefühlen, Gedanken und Wünschen anderer mit Intoleranz! Wenn du dich erinnerst, wie schmerzhaft das für dich war, dann siehst du auch, was du stattdessen gebraucht hättest. Gib diese Dinge und halte sie nicht zurück!

Immer wenn du deinem Gegenüber mit Liebe und Akzeptanz begegnest bist du gleichzeitig auch für dieses kleine Kind von damals da – dein inneres verletztes Kind – und gibst ihm damit die Aufmerksamkeit, die es für seine Heilung braucht.

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