Bindungsstil Ängstlich vermeidend

Ängstlich vermeidender Bindungsstil

Ängstlich vermeidendes Bindungsverhalten schafft in Beziehungen mit Abstand die meiste Verwirrung. Dieses Bindungsmuster sorgt für eine Menge Drama und Schmerz - sowohl für die Betroffenen selbst als auch für ihre Partner, die nicht selten in eine starke emotionale Abhängigkeit von ihrem Gegenüber geraten (siehe: Intermittierende Verstärkung). Kennzeichnend für Menschen mit diesem Bindungsstil ist ihr ambivalentes Verhalten. Es sind Menschen, die ein starkes Verlangen nach Nähe verspüren und sich jemandem zugehörig fühlen möchten, sich aber auf der anderen Seite von Intimität bedroht fühlen. Der Ursprung dieses zerrissenen Denkens, Fühlens und Verhaltens liegt in einer Kindheit, in der sie Liebe und emotionale Zuwendung von wichtigen Bezugspersonen nur sporadisch und unzuverlässig empfangen haben und in der es mehrfach zu Vertrauensbrüchen gekommen ist. Menschen mit diesem Bindungsstil wurde - oft auf subtile Art und Weise - vermittelt, dass sie für die Gefühle ihrer Bezugspersonen Verantwortung tragen (siehe: Verstrickung) Die Ursache für ihr fehlendes Vertrauen in Beziehungen als Erwachsene liegt mit anderen Worten in einem schwer berechenbaren, unsicheren Umfeld in der Kindheit. Menschen mit diesem Bindungsstil haben ganz besonders oft emotionalen und manchmal auch körperlichen Missbrauch erlebt.

Die Folgen für ihre Beziehungen sind verheerend. Der tiefe Wunsch sich einem anderen Menschen nahe zu fühlen ist aufgrund des tiefsitzenden Misstrauens und den daraus resultierenden Irritationen nicht erfüllbar. Der permanente innere Konflikt raubt ihnen viel Energie. Sie können sich in Beziehungen nicht fallen lassen, um sie zu geniessen und neigen aufgrund ihrer konditionierten Glaubensmuster dazu, Gefühle zu unterdrücken, Frust aufzustauen und ihn auf das Gegenüber zu projizieren. Da in der Kindheit Liebe als eine schmerzhafte, unsichere Sache erlebt wurde stellen sie unbewusst in ihren erwachsenen Beziehungen ähnliche Zustände wieder her. Sie fühlen sich bekannt und vertraut an. Dieser Bindungs-Typ neigt auch dazu, die Körpersprache des Partners bis ins Detail zu analysieren. Ihre von Zweifel und Misstrauen geprägten Gedankenmuster führen dazu, dass sie nach Zeichen eines Vertrauensmissbrauchs suchen. Sie entwickeln die Tendenz Partner zu manipulieren, um ein Gefühl von Kontrolle zu bekommen und um befürchteten Betrug zu verhindern. In Situationen, in denen ihre verletzliche Seite getriggert wird und sie das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren reagieren sie oft frustriert. Die Angst vor der Unzuverlässigkeit der Liebe des Gegenübers ist immer da. Unglücklicherweise erzeugt genau dieses Verhalten viel Chaos und Instabilität in ihren intimen Beziehungen. Und so bekommen sie ihr altes Glaubensmuster, dass Beziehungen schmerzhaft und schwierig sind, immer wieder von neuem bestätigt. Solange die Problematik nicht erkannt und aufgearbeitet wird bleibt das so. Beim ängstlich vermeidenden Bindungstyp finden wir im Verhalten ähnliche Züge, wie beim verdeckten (verletzlichen) und kommunalen Narzissten. (Narzissmus Typen)

Menschen, deren Bindungsstil ängstlich vermeidend ist fällt es extrem schwer, sich offen mitzuteilen. Sie tendieren dazu, ihre Gefühle zu verbergen, Masken zu tragen und ihr Misstrauen im stillen zu pflegen. Dadurch geben sie Situationen und Verhaltensweisen des Partners nicht selten eine falsche Bedeutung. Kommt der Partner zu spät nach Hause schlussfolgern sie automatisch, dass er ihnen Dinge verheimlicht. Misstrauen erzeugende Gedanken werden aber nicht artikuliert. Durch den inneren Groll, den sie auf diese Weise aufbauen und mit sich herum schleppen tendieren sie dazu, durch geringe äussere Auslöser in bestimmten Situationen heftig und unangemessen zu reagieren (bewusst verletzendes Verhalten/fremd gehen etc.). Für ihre Partner ist das eine grosse Herausforderung, denn sie geraten in einen Strudel der Angst durch die Unsicherheit und die Unberechenbarkeit ihres Gegenübers. Dass der Glaube an einen drohenden Verrat aus der Kindheit stammt ist einem ängstlichen vermeidenden Menschen in der Regel nicht bewusst. Und selbst wenn es ihm bekannt ist tut er sich schwer, dem Partner gegenüber seine wahren Gefühle – die der eigenen Angst und Unsicherheit - mitzuteilen.

Im Laufe des Heilungsprozesses dieses Bindungsstils verändert sich die Art der Kommunikation: Sätze auszusprechen, wie: „Ich fühle mich unsicher, weil du so spät nach Hause gekommen bist. Was ist passiert?“ verhindert dann das Aufkommen späterer ungesunder Überreaktionen durch aufgestaute negative Gefühle. Es gibt dem Partner die Möglichkeit, die Situation zu erklären und Rückversicherung zu geben, dass die Beziehung sicher ist. Oder anders ausgedrückt: Der Partner bekommt die Möglichkeit, die Geschichten, die sich sein Gegenüber aufgrund alter schmerzhafter Erfahrungen erzählt, zu neutralisieren. Damit können die Wunden langsam heilen. Sie werden dann nicht immer wieder neu aufgerissen.

Dieser Bindungsstil ist besonders facettenreich. Es gibt 5 häufig auftretende Untertypen:

1) Der instabile ängstliche Vermeider: Er zeigt Symptome ähnlich einer PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) und hat seine Eltern in der Kindheit als ganz besonders unberechenbar erlebt. Es gab oft einen Elternteil, der Suchtverhalten zeigte bzw. unter einer psychischen Störung litt. Durch die Instabilität (Reizbarkeit) des Elternteils wuchs das Kind in einer Atmosphäre permanenter Spannung auf (Überschneidung mit dem Borderline Syndrom).

2) Der kontroll-orientierte ängstliche Vermeider: Er ist sehr leistungsorientiert und perfektionistisch. In der Kindheit wurde er für Fehler beschämt oder bestraft. Deshalb trägt er die unbewusste Verknüpfung in sich, dass das Fehler machen seine Sicherheit bedroht. Diese unbewusste Annahme führt dazu, dass er nicht nur seine Umgebung, sondern ganz besonders auch sich selbst zu kontrollieren versucht ( Überschneidung mit NPS).

3) Der verschlossene ängstliche Vermeider: Er ist emotional besonders instabil, wobei er das über längere Zeitperioden weder durch Verhalten noch Worte zeigt. Seine Gefühle dem Partner gegenüber wechseln zwischen heiss und kalt. In der Kindheit hat er Konflikte (z.T. banale Meinungsverschiedenheiten) als bedrohlich er lebt, sodass er sie zu umgehen versucht. Seine unterdrückten negativen Emotionen und den daraus entstehenden Gefühlsstau reagiert er auf passiv aggressive Art und Weise ab (Überschneidung mit verdecktem Narzissmus).

4) Der ängstliche Vermeider mit überinvolvierten Anteilen: Auf den ersten Blick erkennt man bei ihm nur die überinvolvierten Verhaltensmuster. Er zeigt sich um die Qualität seiner Beziehungen bemüht. In der Regel ist er mit liebevollen Eltern aufgewachsen, aber es gab Umstände bedingt schmerzhafte Kontaktabbrüche, sodass er als Erwachsener in Beziehungen starke Verlustängste entwickelt. Beziehungen sind für ihn unbewusst nicht sicher. Aufgrund seiner Ängste neigt er stark zu co-abhängigen Mustern er klammert oft, stösst Menschen aber auch unbewusst von sich, weil es in ihm einen Aspekt gibt, der Liebe mit Schmerz verknüpft hat.

5) Der ängstliche Vermeider mit abweisenden Anteilen: Im Gegensatz zum klassischen abweisenden Vermeider ist er dazu in der Lage, sich emotional zu öffnen und in Gesprächen präsent zu sein. Er macht aber sofort dicht, wenn er bei seinem Gegenüber die leisesten Erwartungen wittert. In seinem Elternhaus gab es eine emotional nicht erreichbare Bezugsperson. Auch Verstrickungs-Traumata findet man bei ihm. Als Erwachsener zeigt er dem Partner offen seine stark schwankenden Gefühlszustände. Er lebt sie auf eine sehr reaktive Art und Weise aus.

Besonders Menschen, die eine der letzten beiden Formen dieses Bindungsverhaltens zeigen begeben sich in Beziehungen allein schon durch den Fakt, dass sie ihre Bedürfnisse nicht ausdrücken in einen Teufelskreis: Sie erwarten vom Partner, dass er zwischen den Zeilen lesen kann. Und wenn das nicht funktioniert (was es natürlich nicht kann), dann reagieren sie mit unausgesprochener Enttäuschung. Der innere Groll, der daraus erwächst ist ein extrem destruktives Beziehungsgift.

Was tun, wenn du an dir diesen Bindungsstil erkennst?

Du kannst deine alten in der Gegenwart hinderlichen Glaubensmuster, die im Unterbewusstsein abgespeichert sind verändern! Sie sind durch Situationen, die du in der Kindheit wiederholt erlebt und mit einem starken Gefühl verbunden hast entstanden. Heute machen sie irreparable Schäden in deinen Beziehungen.

Mache dir diese Dinge zuerst einmal bewusst. Liefere dir immer wieder Beispiele dafür, die dir zeigen, dass du heute nicht mehr in Gefahr bist.

Mache dir bewusst, dass du als erwachsener Mensch gut für dich selbst sorgen kannst und dass du von niemandem abhängig bist. Wenn dein Partner dich schlecht behandelt könntest du die Beziehung jederzeit beenden.

Neue Glaubenssätze entstehen durch das Sammeln und Wahrnehmen der Wirkung neuer Erfahrungen (Wiederholung plus Emotion).

Stelle dich dem Risiko. Zeige dich in deiner intimen Beziehung verletzlich und spüre, wie es sich anfühlt. Beobachte die positiven Konsequenzen. Positive Konsequenzen könnten z.B. sein, dass du dich deinem Partner durch offene Kommunikation näher fühlst oder dass durch verletzliche Kommunikation das Vertrauen in deinen Partner wächst.

Homöopathische Mittel, die bei diesem Bindungsstil häufig indiziert sind und dabei helfen können Blockaden zu lösen sind:

Cimicifuga / Ignatia / Lachesis / Mercurius solubilis / Naja tripudians / Platinum / Sepia / Veratrum album

Zeige dich offen und verletzlich. Es ist ein wichtiger Schlüssel zur Heilung dieses ungesunden Bindungsstils.

Achte auf einen liebevollen Umgang mit dir selbst. Es stimmt zwar, dass dein Verhalten in Beziehungen viel Chaos und Schmerz verursacht. Aber du tust das, was du tust nicht vorsätzlich. Es ist die Folge deiner Kindheitserfahrungen. Deine Reaktionsmuster sind die Folge von Situationen, die in dir einst unangenehme Gefühle erzeugt haben, mit denen du damals aber allein gelassen wurdest und für die du keine Lösung gefunden hast. Wenn du deine Wunden erkennst, sie betrachtest, die alten Muster umzuprogrammieren lernst und dich von deinen Konditionierungen befreist, dann wirst du dich bald auch auf einen anderen Menschen wirklich in der Tiefe einlassen können. Einer liebevollen und stabilen Beziehung steht dann nichts mehr im Wege.

Ich begleite dich gern in deinem Heilungsprozess:

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