Bindungsstil Ängstlich vermeidend

Ängstlich vermeidendes Bindungsverhalten

Menschen mit diesem Bindungs-Stil verhalten sich in ihren Beziehungen ausgesprochen ambivalent. Sie schwanken zwischen dem Verlangen sich zu öffnen und dem gleichzeitigen Drang sich zurückzuziehen ständig hin und her. Der Ursprung dieses Verhaltens liegt in einer Kindheit, in der sie zwar Liebe und emotionale Zuwendung erfahren haben, es aber auch auf irgendeine Art und Weise zu Vertrauensbrüchen seitens der Eltern gekommen ist. Dem Kind wurde auf oftmals subtile Art und Weise vermittelt, dass es verantwortlich für das Befinden und die Gefühle seiner Eltern ist. Fehlendes Vertrauen entsteht meist in einem turbulenten, chaotischen, für das Kind schwer berechenbarem unsicheren Umfeld, in dem es zu emotionalem, manchmal auch körperlichem oder sogar sexuellem Missbrauch gekommen ist.

Die Folge dessen ist, dass diese Menschen im späteren Leben zwar einen sehr starken Wunsch nach Nähe und Verbindung zu einem Partner verspüren, der ihnen aber aufgrund ihrer Vertrauens- Problematik gleichzeitig Irritation beschert und immer wieder bedrückende Gefühle erzeugt. Das heißt es entsteht ein anhaltender teilweise vehementer interner Konflikt! Ängstliche Vermeider neigen dazu Frust aufzustauen und ihn auf den Partner zu projizieren. Da sie in der Kindheit Liebe als chaotische unsichere Sache erlebt haben fühlen sie sich unterbewusst durch die Wiederherstellung ähnlicher Verhältnisse wohl, weil sie sich auf gewisse Weise bekannt und vertraut anfühlen. Dieser Bindungs-Typ neigt dazu die „Mikro-Ausdrücke“ und Körpersprache des Partners übermäßig intensiv zu analysieren, da er sich unterbewusst immer auf der Suche nach Zeichen eines eventuellen Vertrauensmissbrauchs befindet. So entsteht - im Versuch Betrug zu vermeiden - die Tendenz den Partner zu kontrollieren und zu manipulieren. In Situationen, in denen sich ein Gefühl von Verletzlichkeit und Kontrollverlust entwickelt reagieren sie extrem frustriert, da die Angst vor der Unzuverlässigkeit der Liebe des Gegenübers provoziert wird. Unglücklicherweise erzeugt genau dieses Verhalten Chaos und Instabilität in ihren intimen Beziehungen! Und das ist eine schier unabänderliche Sache solange diese Problematik nicht erkannt und gründlich aufgearbeitet ist.

Menschen mit diesem Bindungsverhalten müssen vor allem lernen offen und verletzlich zu kommunizieren, denn sie tendieren dazu ihre Gefühle zu verbergen und Misstrauen zu entwickeln. So geben sie Situationen und Verhaltensweisen des Partners oft eine falsche Bedeutung. Kommt der Partner zu spät schlussfolgern sie automatisch, dass er Dinge verheimlicht. Und diese Gedanken werden nicht artikuliert. Durch den unbegründeten inneren Groll, den sie auf diese Weise aufbauen und in sich tragen tendieren sie später dazu durch geringe Auslöser heftig zu reagieren (plötzliche Kontaktabbrüche / fremd gehen etc.). Für ihre Partner ist das eine große Herausforderung, denn sie geraten in einen Strudel der Unberechenbarkeit. Das der Glaube des drohenden Verrats aus der Kindheit stammt ist einem ängstlichen Vermeider in der Regel nicht bewusst. Und selbst wenn es ihm bekannt ist tut er sich schwer dem Partner gegenüber seine wahren Gefühle – nämlich die der Angst und Unsicherheit - zu äußern.

Ein wichtiger Schritt im Heilungsprozess ist also hier das Erlernen von offener verletzlicher Kommunikation. Etwas zu sagen, wie: „Ich fühle mich unsicher, weil du so spät nach Hause gekommen bist. Was ist passiert?“ verhindert das Aufkommen späterer ungesunder Überreaktionen aufgrund der angesammelten negativen Gefühle. Es eröffnet dem Partner die Möglichkeit sich zu erklären und Rückversicherung zu geben, dass die Beziehung sicher ist, indem er die Möglichkeit bekommt, die „Stories“, die sich der ängstliche Vermeider aufgrund alter Erfahrungen erzählt, zu neutralisieren.

Was kann ich tun, wenn ich an mir ängstlich vermeidende Bindungsmuster erkenne?

Es ist zwingend notwendig deine alten im Jetzt hinderlichen Glaubensmuster, die in deinem Unterbewusstsein abgespeichert sind, zu verändern: Entstanden durch Situationen, die du in der Kindheit wiederholt erlebt und mit einem starken Gefühl verbunden hast, machen sie heute irreparable Schäden in deinen intimen Beziehungen! Es wird dir enorm helfen, wenn du dir diese Dinge bewußt machst und dir selbst immer wieder Beispiele dafür lieferst, die dir zeigen, dass du heute sicher und außer Gefahr bist:

Mache dir z.B. bewusst, dass du sicher und in der Lage bist gut für dich selbst zu sorgen! Du bist nicht mehr abhängig und kannst die Beziehung jederzeit beenden, wenn dein Partner dich schlecht behandelt!

Neue Glaubenssätze entstehen durch das Sammeln und die Wahrnehmung der Wirkung neuer Erfahrungen (Wiederholung plus Emotion):

Riskiere es, dich in der Kommunikation verletzlich zu zeigen und spüre, wie es sich anfühlt. Welche positiven Konsequenzen hat es? Ein Beispiel könnte sein: „ Ich fühle mich meinem Partner durch offene Kommunikation näher.“ Oder: „Durch verletzliche Kommunikation wächst das Vertrauen in meinen Partner.“

Lerne, dich offen und verletzlich zu zeigen. Es ist ein wichtiger Schlüssel zur Heilung deines unsicheren Bindungsverhaltens!

Achte auf einen liebevollen Umgang mit dir selbst! Dein Verhalten erzeugt in Beziehungen zwar viel Chaos, aber es sind nicht deine „schlechten Beweggründe“, die dazu führen. Es ist die Folge von Kindheitstrauma - von Situationen, die in dir starke unangenehme Gefühle erzeugt haben, für die du damals keine Lösung hattest! Indem du die tiefen Wunden identifizierst und Schritt für Schritt die alten Muster umprogrammierst wirst du lernen dich auf einen anderen Menschen wirklich in der Tiefe einlassen zu können. Einer erfüllten, liebevollen und stabilen Beziehung steht dann nichts mehr im Wege.

Häufig indizierte homöopathische Mittel, die Blockaden lösen und den Heilungsprozeß beschleunigen:

Cimicifuga / Ignatia / Lachesis / Mercurius solubilis / Naja tripudians / Platinum / Sepia / Veratrum album

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