Burnout und Trauma

Fühlst du dich überfordert, getrieben und ausgelaugt?

Lähmt dich oft der Gedanke an alle Probleme und Aufgaben, die auf dich warten, wenn du morgens die Augen öffnest?

Viele Menschen glauben, dass das Leben nun mal so ist und dass uns die gesellschaftlichen Werte und Prämissen dazu zwingen, ‚durchzuhalten‘, fleißig zu sein und weiterzumachen – auch wenn es weh tut.

Aus meiner Sicht sind die gesellschaftlichen Regeln ein Spiegel der mentalen und emotionalen Gesundheit unserer Spezies.

Es ist kein Zufall, dass immer mehr Menschen durch stressige Beziehungen und zu viel Arbeit im Burnout landen – in einem Zustand, in dem überhaupt nichts mehr geht.

Stellt sich dir nicht manchmal auch die Frage, was die tiefere Ursache für diese ängstliche Getriebenheit ist?

Was treibt dich als Individuum in die Überforderung? Warum grübelst du vielleicht endlos über Beziehungskonflikte und soziale Interaktionen, ohne befriedigende Lösungen zu finden? Warum fällt es dir schwer mal etwas liegen zu lassen?

Oft bemerken Menschen zu spät, dass sie einem Burnout nahe sind. Einem Zustand, der die Ängste, die sie vermeiden wollten noch forcieren wird und der die vielleicht ohnehin schon angeschlagene Gesundheit zusätzlich belastet.

Das ist der tragische Teufelskreis, in den so viele Menschen im Laufe ihres Lebens geraten:

„Ich muss funktionieren, um ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit zu gewinnen.“ und „Wenn ich entspanne bin ich in Gefahr.“.

Gern möchte ich dir helfen Wege zu finden, um gar nicht erst im Burnout zu landen oder um die Krise des Burnouts in eine Chance zu verwandeln.

Burnout und Trauma / Zusammenhang

Der Begriff Burnout beschreibt einen Zustand von körperlicher, mentaler und emotionaler Erschöpfung, der die Leistungsfähigkeit stark einschränkt oder sogar ganz zum Erliegen bringt.

Unverarbeitete Traumata spielen bei der Entwicklung eines Burnouts eine Rolle, denn sie zeigen sich darin, dass wir die meiste Zeit – oft ohne es zu bemerken – im Überlebensmodus sind. Für viele Menschen ist das die Norm, weil sie es nicht anders kennen.

Menschen sind oft nicht vollständig in der Gegenwart verankert, weil vergangene, unverarbeitete Erfahrungen im Nervensystem weiterwirken und sich so anfühlen, als wären sie noch aktuell.

Bindungsverletzungen ziehen chronische Ängste im Beziehungskontext nach sich.

Und diese Unsicherheiten spiegeln sich im täglichen Leben, weil es aus zahlreichen zwischenmenschlichen Interaktionen besteht. Die Folge:

Deine unverarbeiteten Traumata können dich von dem Ort vertreiben, wo das Leben eigentlich stattfindet – dem jetzigen Moment.

Wenn wir in der Kindheit Beziehungserfahrungen gemacht haben, die schmerzhaft waren und bei der Verarbeitung des Erlebten wenig emotionale Unterstützung hatten, dann haben wir zwangsläufig Strategien entwickeln müssen, die dazu dienen, uns vor unangenehmen Gefühlen zu schützen.

Aber nicht nur das: Wir konnten keine klaren Grenzen entwickeln und nicht lernen, gut für uns selbst zu sorgen.

Als Konsequenz dessen fühlst du dich im Beziehungskontext vielleicht nie so ganz sicher. Und weil du nicht wirklich entspannen kannst, hast du dir instinktiv Verhaltensweisen angeeignet, die dir kurzfristig Erleichterung verschaffen.

Das Schlimme ist: Langfristig wirken sie sich oft negativ aus, denn sie distanzieren dich von dir selbst.

Unverarbeitete Bindungsverletzungen tragen dazu bei, dass du dich auch in dir selbst nicht sicher und wohl fühlen kannst.

Und so liegt dein Haupt-Augenmerk unbewusst auf der Vermeidung von unangenehmen Gefühlen, wie Ängsten und dem diffusen Gefühl der Unzulängichkeit.

Burnout und Trauma / Bindungsstile

Unsichere Bindungstypen sind deshalb besonders gefährdet im Laufe ihres Lebens mental, emotional und körperlich auszubrennen. Sie manövrieren sich aus verschiedensten Gründen oft in den Burnout:

Der abweisend vermeidende Bindungstyp  ist ein echter Verdrängungskünstler, denn Verdrängung ist seine Hauptbewältigungsstrategie.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint mangelt es ihm an gesunden Gewohnheiten in Bezug auf seine Selbstfürsorge.

Um sich selbst zu beruhigen und zu entspannen sucht er oft nach Aktivitäten, die eine hohe Aufmerksamkeit fordern. Sie erlauben es ihm, vor sich selbst und seiner inneren Gefühlswelt zu flüchten.

Das können riskante Hobbies sein, eine anspruchsvolle und zeitintensive Arbeit, exzessive Fernsehnächte, Internet-Scrollen oder Extremsportarten.

Die Ruhe, die sein System dringend bräuchte, um zu regenerieren bekommt es deshalb nicht.

Der abweisend vermeidende Bindungstyp setzt sich gern hohem Arbeitsdruck aus, aber Verantwortungsübernahme in Beziehungen interpretiert sein System als Freiheitsbedrohung.

Seine Unabhängigkeit sieht er als wichtigsten Garant für Sicherheit.

Seine unterbewusste Grundeinstellung ist:

„Ich bin okay. Du bist nicht okay.“

Ohne das Gefühl der Unabhängigkeit glaubt er die Kontrolle zu verlieren, was ihn enorm stresst. Dieser Bindungstyp macht sich oft auch Sorgen darüber, ob er seinen Job langfristig behalten kann und ob er finanziell gut genug vorgesorgt hat.

Diese anhaltende Besorgnis in Bezug auf seine Zukunftssicherheit bringt sein Nervensystem oft aus der Balance. Gedanken und Tätigkeiten, die daraus resultieren rauben ihm viel Energie.

In Beziehungen umgeht der abweisend vermeidende Bindungstyp oft Konflikte und alles, was ‚zu viel Emotionalität‘ erzeugen könnte.

Wenn sich Gefühlswallungen in ihm oder um ihn herum häufen, dann kann er damit sehr schlecht umgehen. All das zu unterdrücken kostet wiederum Kraft.

Wenn er sich kritisiert fühlt, greift er zu alten, kindlichen Abwehrmechanismen, um seine Schamgefühle („Ich bin defekt.“) abzuwehren.

Er neigt dann noch stärker als sonst zu reaktivem Verhalten, Mauern, Vermeidung und wortlosem Rückzug.

Dass er Pragmatismus über den Genuss und die Freude am Leben stellt unterminiert oft auch sein Bedürfnis nach Veränderung und Wachstum.

Er haftet stark an seinen Routinen, die ihm ein Gefühl von Sicherheit geben. Und das verträgt sich nicht mit emotionaler Entwicklung, die davon abhängig wäre, dass er seine Komfortzone verlässt.

Der ängstlich überinvolvierte Bindungstyp gibt der Erfüllung der Wünsche und Bedürfnisse anderer oft den Vorrang, ohne darüber nachzudenken. Und das sowohl in seinen privaten Beziehungen, als auch im Arbeitsumfeld.

Durch seinen stark en Außenfokus spürt er eigene Bedürfnisse nicht oder zumindest nicht rechtzeitig.

Es fällt ihm enorm schwer NEIN zu sagen, sodass er sich oft viel zu viele Aufgaben auflädt. Raum für die Befriedigung eigener Bedürfnisse bleibt dann oft nicht übrig.

Dieser Bindungstyp sieht sich selbst im Vergleich zu anderen als minderwertig. Seine Grundeinstellung ist:

„Du bist okay. Ich bin nicht okay.“

Seine innere Überzeugung nicht liebenswert zu sein zwingt ihn dazu, über die eigenen Grenzen hinaus, für andere da zu sein.

Und da das Gefühl, dass es nicht reicht bestehen bleibt, empfindet er Entspannung oft als existenzielle Bedrohung.

Seine innere Stimme ist intolerant und hat den Grundtenor: „Ich hätte mich mehr anstrengen müssen.“

Dass er Grenzüberschreitungen geschehen lässt, ist seine unterbewusste Strategie, vielleicht doch noch gemocht zu werden und nicht zur Last zu fallen. Er versucht mit seiner Überanpassung einen gefürchteten Verlust von Zugehörigkeit zu verhindern.

Der ängstlich überinvolvierte Bindungstyp neigt dazu Projekte anzunehmen, für die er weder die Kapazität noch die Zeit hat.

Er hilft anderen oft auf Kosten seiner eigenen Prioritäten und ist im Stillen frustriert, wenn er dafür nicht genügend Wertschätzung bekommt.

Auch den Beziehungen am Arbeitsplatz misst er eine hohe Bedeutung bei und verdrängt, dass er sie sich nicht ausgesucht hat.

So leidet er oft massiv unter jeder wahrgenommenen Dysharmonie.

Wenn ein Kollege auf Distanz geht, fällt es ihm schwer das anzunehmen und die Schlussfolgerungen, die er zieht entsprechen oft nicht der Realität:

Sie basieren auf seinem Glaubenssatz nicht zu genügen, sodass er nicht sehen kann, dass das Verhalten seines Gegenübers Ausdruck seiner eigenen Defizite sein kann.

Der fehlende Zugang zum eigenen Wert macht ihn oft auch anfällig dafür, sich an Klatsch und Tratsch zu beteiligen. Er kümmert sich um Themen, die nicht seine eigenen sind, weil es ihm krzfristig ein gutes Gefühl gibt.

Langfristig macht es sein Leben kompliziert. Und es raubt viel Energie.

Kennzeichnend für den ängstlich vermeidenden Bindungstyp ist sein Grund-Pessimismus Beziehungen gegenüber und der starke Drang, sich selbst und anderen den eigenen Wert zu beweisen.

Aufgrund seiner Ur-Wunde „Ich bin wertlos.“ ist er besonders gefährdet, sich beruflich und privat durch Überkompensation auszubrennen, nur um das chronische Scham erzeugende Gefühl von Wertlosigkeit zu unterdrücken.

Ein Leben in einer guten Balance von Anspannung und Erholung schliesst das natürlich aus.

Sein fehlendes Vertrauen zeigt sich im Job, in seinen Freundschaften und besonders krass in seinen Paarbeziehungen. Da er immer auf der Hut ist und glaubt sich vor Betrug schützen zu müssen kann auch er nicht entspannen.

Und so neigt auch er, wie alle unsicheren Bindungstypen zu mangelnder Selbstfürsorge: Er findet den sicheren Raum dafür nicht.

Und da er keine guten Rollenvorbilder hatte weiß er oft auch nicht, wie gesunde Selbstfürsorge aussehen könnte.

Weil er so sehr mit der Vermeidung der Berührung seiner alten Wunden beschäftigt ist, kann er wichtigen Aspekten einer gesunden Lebensführung nicht gerecht werden.

Seine unterbewusste Grundeinstellung ist:

„Ich bin nicht okay. Du bist nicht okay.“

Seine emotionalen Wunden sind tief und so fühlt er sich oft durch aktuelle Begebenheiten in die Kindheit zurück versetzt.

Dieser Bindungstyp wird durch äußere Trigger besonders stark von Gefühlen überschwemmt.

Weil er dann nicht konstruktiv mit ihnen umgehen kann, haben sie oft besonders zerstörerische Auswirkungen auf seine Beziehungen: Die Dramen und das Auf und Ab, das daraus erwächst rauben ihm viel Lebenskraft.

Da der ängstlich vermeidende Bindungstyp in der Kindheit oft einem unsicheren, schwer berechenbaren Umfeld ausgesetzt war ist er es gewohnt, sich selbst unter Druck zu setzen. Er hat besonders hohe Erwartungen an sich und neigt besonders stark zu Perfektionismus.

Sowohl in seiner Beziehung als auch im Arbeitsumfeld fühlt er sich oft nicht gesehen, nicht gehört und ausgenutzt.

Er erkennt dabei oft nicht, dass er es gewohnheitsmäßig vermeidet, sich für seine eigenen Interessen einzusetzen, weil er Partner, Freunde oder Kollegen beeindrucken möchte und weil ihm der Ausdruck seiner Grenzen schlechte Gefühle machen würde.

Und so neigt er besonders stark dazu, inneren Groll aufzubauen: Denn er ist nicht dazu fähig, auf gesunde Weise zu kommunizieren, was in ihm vorgeht und was seine Grenzen und Bedürfnisse sind.

Burnout und Trauma / Lösungen

Wenn du verzweifelt bist und dich ausgebrannt fühlst, dann mache dir bitte einmal die Gedanken und stillschweigenden Überzeugungen bewusst, die dich dahin gebracht haben, wo du gerade stehst.

Schreibe die Gedanken, die du im Tagesverlauf über dich, deine Arbeit und andere beobachten kannst auf. Bringe zunächst alle negativen Muster ans Licht. Erst dann kannst du beginnen, sie zu verändern.

Wenn du wiederholt Dinge tust, die deinen Bedürfnissen zuwider laufen, dann wachsen Gefühle der Frustration und Überforderung und du gerätst in negativen Stress.

Oft reicht es nicht aus, dass du dir vornimmst, dich ab jetzt bewusst um deine Bedürfnisse zu kümmern. Zuerst brauchst du Klarheit darüber, welche Kräfte dich bisher davon abgehalten haben.

Wovor versuchen sie dich zu schützen? Haben diese Ängste eine reale Berechtigung oder sind sie Projektionen aus der Vergangenheit?

Wahrscheinlich wird es Lebensbereiche geben, in denen du über längere Zeit wichtige Entscheidungen vermieden hast. Was steckt dahinter?

Erforsche deine innere Welt auf eine neugierige, mitfühlende und urteilsfreie Art.

Finde die Blockaden, die dich daran hindern, deine Lebenssituation so zu verändern, dass du im Einklang mit deinen individuellen Werten und Bedürfnissen leben kannst.

Wenn dein Nervensystem dauerhaft im Anspannungsmodus ist, dann wird er zur Normalität. Du bleibst irgendwann in ihm stecken. Und der Preis dafür ist hoch.

Es gibt viele Möglichkeiten dein Nervensysten zu regulieren (Mindfulness, Yoga, Breathwork, Bewegung in der Natur etc.). Aber diese nützlichen Tools reichen nicht aus.

Du musst deine innere Welt kennen, damit du dich in dir selbst wohl und sicher fühlen kannst.

Du kannst nur gut auf dich achten, wenn du dich selbst – mit deinen Schwächen und Stärken – wertschätzt und magst.

Wenn du dich auf etwas in deinem Leben übermäßig stark fokussierst, dann hat das Gründe.

Entlarve und überprüfe sie, damit du andere wichtige Dinge, wie gesunde Ernährung, körperliche Fitness und die Pflege deiner sozialen Kontakte nicht mehr vernachlässigen musst.

Pausiere ab und zu einmal und trete etwas zurück: Was passiert dann in dir? Welche Gedanken und Empfindungen zeigen sich? Welche Bedeutung gibt dein Unterbewusstsein der Pause, die du machst?

Suche bewusst nach Möglichkeiten wieder öfter einmal das zu tun, was dir Freude macht. Der kindliche Anteil in dir kann dir dabei helfen, herauszufinden, was du vernachlässigt hast.

Je mehr du tust, was du liebst, desto mehr Sinn siehst du in deinem Leben. Dein Energielevel steigt und die inneren Widerstände und negativen Reaktionen lassen nach.

Angeeignete unterbewusste Schutz-Programme beeinflussen nicht nur, wie du dich in deinen intimen Beziehungen zeigst und fühlst.

Sie werden sich auch in Freundschaften und in der Qualität deiner Beziehungen am Arbeitsplatz spiegeln.

Je sicherer du in deinem Bindungsverhalten bist, desto weniger Ängsten bist du im Beziehungskontext ausgesetzt.

Wenn du alte kindliche Ängste und damit verbundene Glaubensmuster lösen kannst, dann ist das die beste Burnout Prophylaxe.

Denn es sind die chronischen Unsicherheiten im Beziehungskontext, die dich davon abhalten, gesund für dich selbst und deine Bedürfnisse zu sorgen.

Fazit

Burnout entsteht nicht einfach dadurch, dass du zu viel tust, sondern dadurch, dass du Dinge tust, die dir nicht entsprechen und nicht zu dir passen.

Hier sind 5 Punkte, die dir helfen, erste Schritte zurück zu dir selbst zu machen:

Sei ehrlich – auch in kleinen Dingen.

Hör auf zu sagen: „Mir geht’s gut“, wenn es gerade nicht stimmt.
Ehrlichkeit ist der Anfang von innerer Klarheit und mehr Übereinstimmung mit dir selbst.

Achte darauf, was (wer) dir Energie raubt und was (wer) dir Energie gibt.

Dein Körper weiß die Antwort oft schon längst.
Beobachte, was dich erschöpft und schwer fühlen lässt – und was dich belebt und wieder aufblühen lässt.

Setze diese Woche eine einzige Grenze.

Nicht zehn. Erst einmal nur eine.
Gib dir selbst ein Versprechen und halte es ein.
Kleine Akte der Selbstachtung stärken dein Selbstvertrauen.

Tu etwas, das sich nach dir anfühlt, ohne ein bestimmtes Ziel zu verfolgen.

Bewege deinen Körper. Geh nach draußen. Erschaffe etwas.
Ohne Leistungsdruck und ohne Erwartungen. Einfach, weil es sich gut anfühlt und weil du das gerade brauchst.

Halte täglich ein Versprechen an dich selbst.

Fange klein an. Vertrauen in dich selbst entsteht dadurch, dass du das tust, was du dir vorgenommen hast.

Du brauchst kein neues Leben, wenn du dich selbst wiedergefunden hast.

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