Unsichere Bindungsstile & Haupttrigger
Unsichere Bindungsstile bringen chronische Ängste im Beziehungskontext mit sich.
Sie werden durch Reize, die dich bewusst oder unbewusst an Aspekte eines traumatischen Ereignisses erinnern an die Oberfläche gebracht.
Diese Reize nennen wir oft Trigger.
Sie bringen alte unverarbeitete Gefühle und unterbewusste Überzeugungen an die Oberfläche.
Wenn du getriggert bist fallen deine emotionalen Reaktionen und Handlungsimpulse wesentlich heftiger aus, als es für die aktuelle Situation angemessen erscheint.
Lasse uns einmal gemeinsam die inneren Überzeugungen und Haupt-Trigger der 3unsicheren Bindungsstile unter die Lupe nehmen.
Inhaltsübersicht
Unsichere Bindungsstile – ängstlich überinvolvierter Bindungsstil
Die Trigger dieses Bindungsstils basieren hauptsächlich auf folgenden Glaubenssätzen:
💔 „Ich genüge nicht.“
💔 „Ich bin nicht liebenswert.“
💔 „Ich verliere die Liebe des anderen.“
Für Menschen mit diesem Bindungsverhalten ist die Angst verlassen zu werden ein permanenter Lebensbegleiter. Die Haupt-Trigger dieses Bindungstyps sind:
Eine wahrgenommene Veränderung im Verhalten des Partners: Wenn dein Partner abwesend erscheint, wenn weniger Austausch stattfindet, wenn du weniger Zuwendung bekommst, wenn er sich auf andere Dinge fokussiert oder missgelaunt ist, dann verunsichert dich das.
Vielleicht verfällst du sogar in Panik. Das ist der Grund für dein dringliches Bedürfnis nach klärenden Gesprächen. Du möchtest auf diese Weise Kontrolle über deine Angst gewinnen.
Allein sein: Aufgrund deines starken Aussenfokus hast du wenig Kontakt zu dir selbst, deinen eigenen Intentionen und Bedürfnissen.
Durch Identifikation mit anderen Menschen versuchst du deine innere Unsicherheit zu kompensieren. Aber dadurch bist du natürlich von ihnen abhängig. Allein sein erzeugt in dir Unruhe, Angst und Leere. Ein quälender Zustand.
Das Gefühl zurückgewiesen zu werden: Das betrifft nicht nur den Verlust eines Menschen, der sich von dir abwendet. Auch die Ablehnung bei der Bewerbung für einen Job oder wenn du zu einem Ereignis nicht eingeladen wirst erzeugen in dir starke negative Gefühle.
Das Gefühl nicht gut genug zu sein oder nicht gemocht zu werden: Deine Selbstentfremdung zieht mangelnden Selbstwert nach sich. Er zeigt sich, sobald die Bestätigung von außen einmal ausbleibt.
Das Gefühl nicht gesehen zu werden: Du glaubst die Unachtsamkeit anderer hat etwas mit dir zu tun und so fühlst du dich oft von Menschen ignoriert oder ausgeschlossen.
Wenn du dieses Bindungsmuster entwickelt hast reagierst du empfindlich darauf, von anderen nicht einbezogen und gewertschätzt zu werden.
Hier findest du mehr Info zum ängstlich überinvolvierten Bindungsstil
Unsichere Bindungsstile – ängstlich vermeidender Bindungsstil
Die Trigger des ängstlich vermeidendes Bindungsstils beruhen hauptsächlich auf folgenden Glaubenssätzen:
💔 „Ich werde betrogen.“
💔 „Ich bin in einer Falle.“
💔 „Ich bin wertlos.“
Die fehlende Stabilität im Verhalten früher Bezugspersonen ist Ursache für die ausgeprägte Ambivalenz im Denken, Fühlen und Handeln von Menschen mit diesem Bindungsverhalten. Die Haupt-Trigger sind:
Das Gefühl eines Vertrauensbruchs. Nicht nur Lügen, sondern auch kleine wahrgenommene Diskrepanzen zwischen Worten und Taten deines Partners führen zu heftigen Emotionen und entsprechenden Reaktionen. Auch fehlende Transparenz gehört dazu.
Das Gefühl kontrolliert zu werden oder die Kontrolle zu verlieren. Dieser Trigger besteht ganz besonders dann, wenn du in der Prägungsfamilie viel Streit und emotionalen Ausbrüchen ausgesetzt warst oder wenn eine Bezugsperson Suchtverhalten zeigte bzw. an einer Persönlichkeitsstörung litt.
Die Folge ist dein extremes Verlangen nach Unabhängigkeit bei gleichzeitigem Kontrollverhalten anderen Menschen gegenüber. Die Widersprüchlichkeit dessen erkennst du vielleicht gar nicht.
Erwartungen anderer Menschen. Das ist ein wichtiger Schattenaspekt dieses Bindungsmusters, der auf dem unbewussten Gedanken: „Mein Gegenüber setzt mich unter Druck, wo ich mich selbst doch schon so sehr unter Druck setze.“ beruht.
Daraus entsteht der Drang, dem in dir aufkommenden Erwartungsdruck irgendwie zu entkommen.
Das Gefühl ausgenutzt zu werden. Du verletzt oft deine eigenen Grenzen, weil du es anderen recht machen willst. Ursache dafür ist das Gefühl wertlos zu sein und der Glaube dafür bestraft zu werden, wenn du etwas falsch machst.
Also neigst du dazu dich zu überfordern. Wenn du dann auch nur eine Erwartung von deinem Partner an dich vermutest kann es zu heftigen Abwehrreaktionen kommen.
Das Gefühl nichts wert zu sein. Dieses Gefühl hat seinen Ursprung in emotionaler Vernachlässigung in deiner Prägungsphase. Es ist eine der tiefsten Wunden dieses Bindungsmusters. Sie ist mit starken Schamgefühlen verbunden.
Wenn du dieses Bindungsverhalten entwickelt hast fühlst du dich in der Tiefe bedeutungslos und unwichtig.
Hier findest du mehr Info zum ängstlich vermeidenden Bindungsstil
Unsichere Bindungsstile – abweisend vermeidender Bindungsstil
Die Trigger dieses Bindungsmusters basieren hauptsächlich auf Glaubenssätzen, wie:
💔 „Jeder ist für sich selbst verantwortlich.“
💔 „Ich bin defekt.“
💔 „Ich werde vereinnahmt.“
Daraus resultiert ein starkes Bedürfnis nach Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. Für diesen Bindungstyp ist das der Garant für ein weiteres wichtiges Bedürfnis, das Bedürfnis nach einem Gefühl von Sicherheit. Seine Haupt-Trigger sind:
Emotionale Ausbrüche des Partners. Das ist ein besonders starker Trigger für Menschen mit diesem Bindungsmuster: Emotionale Ausbrüche gefährden ihr Bedürfnis nach Konsistenz, Kongruenz und Vorhersehbarkeit.
‼️ Wenn der Partner ein ängstlicher Bindungstyp ist und dazu neigt mit dem Abbruch der Beziehung zu drohen wird er einen kurzfristigen emotionalen Gewinn haben, den er langfristig teuer bezahlt: Ein abweisend vermeidender Bindungstyp wird zunächst alles daran setzen, um das Beziehungs-Aus zu verhindern.
Doch danach wird sich etwas in seiner Wahrnehmung verändern. Seine Gefühle erkalten und die Beziehung beginnt langsam zu zerfallen !!
Das Gefühl kritisiert zu werden. Du kommst im beruflichen Bereich ganz gut mit konstruktiver Kritik zurecht, aber in deiner Paarbeziehung triggern Streitgespräche und scharfe Worte massiv deine „Ich bin nicht okay / Ich bin defekt.“- Wunde.
Selbst empfundene Kritik verursacht in dir tiefe Schamgefühle, die du mit deinem Rückzug zu kompensieren versuchst.
Erwartungen anderer Menschen. Die Ursachen sind anders gelagert als beim ängstlich vermeidenden Bindungstyp. Du fühlst dich nicht dazu in der Lage die Erwartungen deines Partners zu erfüllen und hast in der Regel eine Beziehungsgeschichte hinter dir, die dir das wiederholt gespiegelt hat.
Du denkst wahrscheinlich oft: „Mein Partner ist der Meinung ich mache alles falsch.“
Zuneigung zeigst du auf deine Art und Weise. In der Regel durch Unterstützung. Eine andere kennst du nicht. Wenn dein Partner dir sagt, dass er sich nicht geliebt fühlt, dann triggert es dich extrem, denn damit werden all deine Verletzungsebenen berührt. Das Resultat ist langfristig in der Regel Resignation.
Der Druck sich zu emotional öffnen zu müssen. Wenn du dazu genötigt wirst dich verletzlich zu zeigen berührt das mehrere deiner Wunden („Ich bin nicht sicher.“, „Ich werde kontrolliert.“). Besonders letzteres erzeugt ein Gefühl des Verlusts von Unabhängigkeit, was dich immens stresst und in den Überlebensmodus katapultiert.
Nicht gewertschätzt werden. Du magst zwar keine große Aufmerksamkeit oder überschwengliches Lob, brauchst aber das Gefühl, dass du für deine Bemühungen gesehen und anerkannt wirst.
Du bist dir im Innersten generell unsicher, wenn es um emotionale Themen und Belange geht, denn du hast keine Referenz dafür. Deine kindlichen Bezugspersonen waren emotional nicht erreichbar. Gefühle hast du unterbewusst negativ belegt und mit Schwäche und Gefahr verknüpft.
Wenn dein Gegenüber sagt: „Ich möchte, dass du dich emotional öffnest.“, dann ist das für dich eine Aufforderung dazu, dich deiner grössten Angst zu stellen! Und wenn du dich ihr dann tatsächlich stellst und den Eindruck hast, dass es nicht gesehen wird oder nicht genug ist reagierst du mit abrupten Rückzügen.
Eine wahrgenommene Grenzverletzung. Deine Schwierigkeiten Grenzverletzungen sofort zu spüren und sie deinem Partner zu kommunizieren führen dazu, dass du innerem Groll aufbaust.
Dann kann dich eine Kleinigkeit im Verhalten deines Partners, – wie das Umstellen eines Möbelstücks oder der nicht kommunizierte Besuch von Verwandschaft – massiv triggern und heftige Reaktionen provozieren.
Hier findest du mehr Info zum abweisend vermeidendenden Bindungsstil
Unsichere Bindungsstile sind veränderbar und gerade die intensive Arbeit mit Trigger-Situationen ist eine wichtige Säule im Heilungsprozess.
Schattenarbeit und die Etablierung von Grenzen sind weitere.
Und neben der Lösung alter Konditionierungen ist es enorm wichtig einen gesunden Umgang mit Gefühlen zu erlernen.
‼️ Wenn ich mich in mir selbst sicher fühle, kann ich mich auch mit anderen Menschen sicher fühlen. Dann muss ich nicht mehr ständig auf der Hut sein. Ich kann dann den Moment so annehmen, so wie er sich gerade zeigt.
Wenn ich diese Sicherheit in mir trage kann ich Beziehungen ohne Angst in vollen Zügen geniessen.
Wenn du dich in der Beschreibung eines dieser unsicheren Bindungsstile wiedererkennst und Hilfe brauchst, begleite ich dich gern durch deinen Heilungsprozess: Meine Angebote
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