Trauma Verdrängung Symptome

Viele Menschen sind der festen Überzeugung, dass sie keine Traumata in ihrer Kindheit erlitten haben. Hier ein paar häufige Äußerungen:

„Es gab gutes und schlechtes, aber das ist normal.“

„Meine Mutter war zwar oft traurig oder verärgert, aber sie hat mich nur dann abgewiesen, wenn ich mich schlecht benommen oder sie enttäuscht habe.“

„Mein Vater hat mich hin und wieder mit dem Gürtel geschlagen, aber es war zu meinem Besten und hat mir geholfen ein besserer Mensch zu werden. Ich bin dankbar dafür.“

„Manchmal bin ich depressiv und fühle mich einsam und leer. Aber das geht vielen Leuten so. Meine Eltern waren zwar streng, aber sie haben mich geliebt. Aus mir ist was geworden.“

Die Verharmlosung elterlicher Verhaltensweisen hat Gründe, aber zuerst betrachten wir, welche Symptome man an traumatisierten Menschen beobachten kann:

Trauma Symptome

Nicht das Geschehen selbst sondern die individuelle Reaktion darauf und die fehlende Verarbeitungsmöglichkeit machen ein Erlebnis zum Trauma. Typische Trauma induzierte Symptome sind:

  1. Angst vor Nähe
  2. unverhältnismäßige Reaktionen auf Verlust und Trennung
  3. Perfektionismus
  4. Gefühle von Frustration, Resignation, Angst oder Aggression
  5. übermäßige Eifersucht
  6. Aufopferung und Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
  7. nicht NEIN sagen können
  8. negatives Selbstbild (Schamgefühle)
  9. eingeschränkte Energie und Lebensfreude

Entwicklungstraumata sind keine Seltenheit. Die häufigsten entwicklungstraumatisch bedingten Glaubensmuster sind:

„Ich gehöre nicht dazu.“ / „Ich darf keine Bedürfnisse haben.“ / „Wenn ich vertraue werde ich enttäuscht.“ / „Wenn ich so bin, wie ich bin werde ich abgelehnt.“ / „Ich muß Leistung bringen um geliebt zu werden.“

Diese Glaubensmuster führen dazu, daß Betroffene nicht zu sich selbst stehen, sich permanent anstrengen und überfordern, ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle entwickeln und nicht authentisch sein können.

Menschen mit ungelösten Traumata setzen sich selbst unter Druck und sind emotional verletzbar.

Frühkindliche traumatische Erlebnisse lassen uns die Welt durch eine Brille und mit Scheuklappen sehen. Nicht nur die Selbstwahrnehmung, sondern auch die Wahrnehmung, wie andere uns sehen und unser Verhältnis zu ihnen ist verzerrt. Positive Erfahrungen werden übersehen, weil sie den unbewussten Glaubensmustern widersprechen.

Warum sehen Betroffene ihre Entwicklungstraumata aber selbst oft nicht?

Trauma Verdrängung

Einer der Gründe für die Tendenz zur Verdrängung ist die dissoziative Amnesie: Viele Menschen haben nur fragmentäre, diffuse Erinnerungen an ihre Kindheit. Manche haben viele Jahre komplett ausgeblendet. Ein Kind hat oft keine andere Wahl, als schmerzliche Erlebnisse ins Unterbewusste zu verdrängen. Diese Erinnerungen bleiben ihm dann verborgen. Dieser Schutzmechanismus etabliert sich, wenn die Fähigkeit zur emotionalen Verarbeitung fehlt. Im Heilungsprozess beginnen sich Betroffene oft wieder zu erinnern, nämlich dann wenn sie dazu in der Lage sind, diese Erlebnisse anzuschauen, zu verarbeiten und loszulassen.

Ein weiter Grund für die Verdrängung von Traumata ist das Fehlen von Vergleichswerten. Traumatisierte Menschen wissen nicht, wie sich ein gesundes soziales Umfeld für ein Kind anfühlt. Sie kennen nur das, was sie erlebt haben und was ihnen vorgelebt und beigebracht wurde. Wenn sie heranwachsen und sich nicht mit ihrer mentalen und emotionalen Gesundheit auseinandersetzen, dann bleibt ihnen die Thematik oft verborgen. Eine dysfunktionale Beziehung oder die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung ändern daran auch selten etwas.

Das Stockholm Syndrom kann ebenfalls ein Grund für die Verdrängung von Entwicklungstraumata sein: Kinder, die in einem schwierigen sozialen Umfeld aufwachsen dissoziieren und verdrehen die Realität, um Angst zu vermeiden und zu überleben. Ursache ist eine Gedankenabfolge, wie diese: „Meine Mutter ist schlecht zu mir. Ich brauche meine Mutter, um zu überleben. Ich kann nicht überleben, wenn meine Mutter schlecht ist. Ich habe keine andere Mutter. Meine Mutter ist gut.“ Das Stockholm Syndrom ist ein psychologisches Phänomen, bei dem das Opfer mit dem Täter sympathisiert und ihm Zuneigung entgegenbringt. Diese ungesunde Art der Bindung findet man nicht nur zwischen Eltern und Kind, sondern auch in erwachsenen intimen Beziehungen mit starkem Machtgefälle.

Auch in der Kindheit internalisierte „Gesetze“ verhindern die Wahrnehmung eigener Traumata. Das können verinnerlichte Regeln sein, wie „Ehre deine Eltern.“, „Stelle keine Fragen.“ oder „Ein gutes Kind tut, was man ihm sagt.“. Schamgefühle, Angst vor Kontrollverlust, soziale Ängste, Schuldgefühle den eigenen Kindern gegenüber und fehlendes Mitgefühl mit sich selbst und anderen spielen ebenfalls eine Rolle.

Es gibt sicher noch andere Gründe dafür, warum viele Menschen Kindheitstraumata nicht sehen können oder wollen. Sie sind nachvollziehbar, denn es geht um das Aufstossen einer Tür ins Ungewisse, was zunächst mit Schmerz verbunden ist. Es erfordert Mut, eine gewisse mentale Kapazität, Willenskraft, Geduld und die Demut sich an bestimmten Punkten im Heilungsprozess auch einmal Hilfe zu holen.

Selbstannahme („Ich darf ich sein.“) ist die tiefste unbewusste Sehnsucht vieler dieser Menschen. Sie ist die unabdingbare Voraussetzung für ein glückliches Leben. Aus dem zu sich selbst stehen (statt sich permanent passend zu machen) wächst ein Gefühl von innerer Sicherheit, innerem Frieden, die Fähigkeit zu lieben und das Vertrauen in die eigene Intuition. Selbstannahme macht den Weg frei für mehr Lebensfreude und Lebendigkeit.

Im Heilungsprozess löst sich das verzerrte Selbstbild auf und weicht einem natürlichen authentischen Sein. Einer angstfreien, sicheren Bindung zu anderen Menschen steht nichts mehr im Wege.

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