Männlichkeit leben

Männlichkeit leben / Assoziationen

Fragst du dich vielleicht, ob es heutzutage überhaupt noch möglich ist, dich zum Mann sein zu bekennen, ohne dafür unter Beschuss zu geraten?

Aus meiner Sicht eine tragische Entwicklung.

Nicht ohne Grund sind viele Männer verunsichert:

Sie fragen sich, was Frauen eigentlich genau von ihnen erwarten. Da sie darauf keine Antwort finden ziehen sie sich in ihren Beziehungen immer mehr zurück.

Sie suchen sich eine irgendeine Nische, in der sie sich der Kontrolle der Frau entziehen können. Aber ihre Abschottung heizt bestehende Konflikte natürlich zusätzlich an.

Was sind die Hintergründe dessen? Ich denke das Rollenverständnis des Mannes ist schon länger gespalten.

Vielleicht begann es damit, dass der Begriff Männlichkeit gesellschaftlich abgewertet wurde. Inzwischen löst er kontroverse Assoziationen aus.

Der Fehler liegt – wie so oft – in einem kindlichen Schwarz-Weiß-Denken:

Männlichkeit wurde mit der Unterjochung der Frau in einen Topf geworfen und gleichgesetzt.

Dass ndlich für Augenhöhe zwischen den Geschlechtern gesorgt werden musste steht außer Frage, aber inzwischen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Pendel in die gegensätzliche Richtung ausschlägt.

Woran liegt das? Und gibt es auf die Frage, was Männlichkeit in Zukunft sein kann eine Antwort?

Manche Männer sehnen sich in die Zeiten des traditionellen Rollenverständnisses zurück. Auf der anderen Seite regt sich in vielen aber auch ein anderer Aspekt.

Einer, der sich nach mehr Ursprünglichkeit, nach Unangepasstheit, nach Spontanität und Transzendenz sehnt.

Dieser Zwiespalt verunsichert und vielleicht macht das ein bisschen Angst.

Dich als männlichen Leser möchte ich dazu ermutigen beim weiterlesen zu schauen, ob du dich vielleicht bis zu einem gewissen Grad irgendwo wiederfindest.

Männlichkeit leben / traditioneller Aspekt

Ich glaube die traditionelle Rolle des Mannes ist dir nicht in die Wiege gelegt worden. Sie ist eine Art „Anzug„, der dir als kleiner Junge übergestreift wurde, als du den Sozialisierungsprozeß in deiner Ursprungsfamilie durchlaufen hast.

Dabei hat sich eine individuelle Mischung von Eigenschaften, die DU für männlich hältst entwickelt:

Sie besteht aus deiner eigenen Intuition und den von deinen Eltern übernommenen Überzeugungen in Bezug auf männliche Werte und Attribute.

Sie wurden dir direkt oder subtil vermittelt und vorgelebt.

Der traditionelle Aspekt ist also Ausdruck dessen, was dir von deinen engsten Bezugspersonen zum Thema Männlichkeit und „Mann sein“ implementiert wurde.

Ansichten des traditionellen Aspekts im modernen Mann

Was könnten typische Gedanken des traditionellen Aspekts in dir sein? Vielleicht folgende?

→ „Frauen stehen auf harte Männer. Ich bin ein rational denkender Mensch. Verletzlichkeit ist weibliche Schwäche.“

→ „Ich möchte Erfolg haben. Status ist mir wichtig. Aber wenn ich das offen zeige, bekomme ich von meinem Umfeld ambivalente Reaktionen. Deshalb rede ich nicht darüber.“

→ „Ich möchte für die materiellen Bedürfnisse meiner Familie sorgen. Das ist meine Aufgabe. Die Frau sollte mich in dem, was ich tun will und muss unterstützen. Sie sollte nicht mit mir wetteifern.“

→ „Frauen wollen heutzutage alles. Ich kann es ihnen nicht Recht machen. Früher war das einfacher, weil es klare Rollen gab.“

→ „Beziehungen sind schwierig geworden. Man läuft über ein Minenfeld. Mir bleibt nur der Rückzug. Offen zeige ich nur meine Wut. Das ist okay so, denn das ist eine männliche Emotion.“

→ „Eine Frau sollte liebevoll, wertschätzend und weiblich sein. Ich hasse Bitterkeit und Kontrolle. Ich will mich gut fühlen. Eine Frau allein kann das aber kaum für mich leisten.“

→ „Ich erziehe meine Kinder nicht, weil ich es in den Augen ihrer Mutter sowieso nicht richtig machen kann. Meine Wahrheit könnte ich ihnen tatsächlich nicht offen sagen. Ich gebe die Erziehung an ihre Mutter ab, die das ja eh besser macht.“

Männlichkeit leben / ursprünglicher Aspekt

Der Teil in dir, der sich nicht in Schubladen stecken lassen will wehrt sich gegen diese Festlegungen und Begrenzungen.

In ihm versucht sich deine angeborene männliche Essenz Raum zu schaffen und sich auszudrücken.

ABER intuitives Fließen und Sein setzt einen guten Bezug und Zugang zu deinen Emotionen voraus. Das ist der Punkt, der den traditionellen Aspekt in dir in Panik versetzt:

Die Ansichten des ursprünglichen Aspekts im modernen Mann

Wie könnte es klingen, wenn du diesen Aspekt in dir sprechen lassen würdest? Vielleicht so?

→ „Ich möchte einer Frau auf mentaler, emotionaler und körperlicher Ebene begegnen und ihr ein sicherer Raum sein. Wenn ich das nicht leisten kann wird es ein ander tun.“

→ „Ein erwachsener Mann braucht keine Mutter mehr. Ich bin gern für eine Frau da und möchte ihr helfen zu wachsen.“

→ „Eine Frau, die gut für sich selbst sorgen kann ist keine Bedrohung für mich. Ich denke aber auch nicht, dass sie unbedingt arbeiten muss. Meine Identität ist nicht davon abhängig, was eine Frau tut oder unterlässt. Ich brauche die Unterstützung einer Frau nicht, auch wenn ich sie mag. Die Unterstützung einer Frau vorauszusetzen engt sie ein und ich möchte sie nicht zähmen.“

→ „Emotionen stehe ich ambivalent gegenüber: Ein Teil in mir will fühlen und kann das auch. Auf der anderen Seite fühle mich für Menschen verantwortlich, die mir nahe stehen. Ich lasse es nicht zu, dass mich Emotionen überrollen, wenn das für einen geliebten Menschen Konsequenzen hätte.“

→ „Ich sehe es als meine Aufgabe, meinen älteren Kindern die Welt zu zeigen.“

→ „Die Frauenbewegung beschämt mich, denn die Ursache liegt in der traditionellen Denkweise des Mannes. Männer haben Frauen lange Zeit kontrolliert, statt sie in ihrer Ganzheit zu sehen, sie auf allen Ebenen wahrzunehmen und sie zu beschützen.“

Männlichkeit leben / Gemeinsamkeiten

Beide Aspekte sehen sich als Führer. Sie wollen der familiäre Versorger sein und Frauen unterstützen.

Beide sprechen sich für die Erhaltung und Akzeptanz der Verschiedenheit der Geschlechter aus.

Sie erkennen die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau an ohne aber angeborene Fähigkeiten und Präferenzen, Stärken und Schwächen der Geschlechter zu werten.

Männlichkeit leben / Selbstreflexion

Wenn dein traditioneller (konditionierter) Aspekt sich reflektiert und zu heilen beginnt würde er seine Erkenntnisse vielleicht so formulieren:

→ „Ich hatte unterbewusst verinnerlicht, dass ich mir nicht vertrauen kann, weil ich ein Mann bin. Ich weiss, dass diese innere Überzeugung aus Erfahrungen und Beobachtungen in der Kindheit entstanden ist.“

→ „Meinen ursprünglichen maskulinen Aspekt hatte ich abgespalten und verdrängt. Das hat mich geschwächt und nicht – wie ich bisher angenommen habe – gestärkt. Ich erkenne inzwischen, dass permanente Wachsamkeit keine männliche Stärke ist.“

→ „Solange ich glaube immer auf der Hut sein zu müssen lebe ich das Leben eines Löwen, der glaubt ein Schaf zu sein.“

Männlichkeit leben / ursprüngliche Essenz

Ich kann mir vertrauen, WEIL ich ein Mann bin.

Mit der Entwicklung dieses Glaubenssatzes befreist du dich als Mann aus dem oben genanntem Konflikt.

Nach der Integration beider Aspekte könnten das vielleicht deine Gedanken sein:

→ „Es liegt in der Natur des Mannes, zu führen und für andere sorgen zu wollen. Was eine Frau tut oder unterlässt hat keinen Einfluss darauf.“

→ „Ich spüre meine männliche Energie. Die daraus resultierende Kraft macht mich erfolgreich in dem, was ich tue.“

→ „Ohne meine Gefühle kann ich weder für mich selbst noch für andere wirklich da sein.“

→ „Erst wenn ich erkenne und berücksichtige, wie es meinen Nächsten geht bin ich ein guter Führer. Wenn es allen, die unter meiner Obhut stehen mental, emotional und physisch gut geht erlebe ich mich als freier Mann.“

Ein Satz, den ich irgendwo einmal gehört habe – ich weiß leider nicht mehr wo – fasst zusammen, wie sich Mann sein zukünftig anfühlen könnte:

„Die ursprünglichste Form von Männlichkeit ist Stärke im Dienst der Liebe. Es ist eine Männlichkeit, die sich kraftvoll und frei anfühlt.“

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