Co-Abhängigkeit erkennen

Um dir bei der Beantwortung der Frage, ob du in Beziehungen co-abhängige Tendenzen zeigst zu helfen, habe ich Gedanken- , Gefühls- und Verhaltensmuster, die mir bei der Arbeit mit Klienten häufig begegnen, einmal in einer Liste zusammengefasst. Sie hilft dir, Co-Abhängigkeit im Denken, Fühlen und Verhalten zu erkennen. Deine Selbstwahrnehmung wird geschärft und du machst einen ersten wichtigen Schritt, den du gehen mußt, um unsicheres Bindungsverhalten aufzulösen. Co-abhängige Muster können in fünf Gruppen aufgegliedert werden. Hier findest du alle fünf mit ihren jeweils typischen Merkmalen.

Welche der folgenden Aussagen würdest du mit JA beantworten?

(Je höher die Anzahl, desto stärker ist die Ausprägung der Co-Abhängigkeit.)

A) Co-Abhängigkeit in Form von Kontrolle

Ich glaube, die meisten Menschen können nicht wirklich gut für sich selbst sorgen.

Ich versuche andere Menschen davon zu überzeugen, was sie denken, tun oder fühlen sollten.

Ich biete Hilfe und Rat an, auch wenn ich nicht direkt danach gefragt werde.

Es verletzt mich, wenn andere meine Hilfe oder meine Ratschläge ablehnen.

Ich bin bei den Menschen, auf die ich einen Einfluss haben möchte, grosszügig mit Geschenken.

Ich nutze sexuelle Aufmerksamkeit, um anerkannt und gemocht zu werden.

Ich möchte in einer Beziehung das Gefühl haben, gebraucht zu werden.

Ich fordere die Erfüllung meiner Bedürfnisse von meinem Partner ein.

Ich verwende Charme und Charisma, um andere davon zu überzeugen, dass ich liebenswürdig und liebesfähig bin.

Ich benutze Schuldzuweisungen oder Beschämungen, um andere emotional zu beeinflussen.

Ich weigere mich oft mit dem Partner zu kooperieren und nach Kompromissen zu suchen.

Ich verhalte mich gleichgültig, hilflos, authoritär oder agressiv, um das Resultat von Konflikten zu manipulieren.

Ich gebe vor, mit anderen übereinzustimmen, um meine Ziele durchzusetzen.

B) Co-Abhängigkeit in Form von Vermeidung

Ich verhalte mich auf eine Weise, die andere dazu bringt, wütend zu werden und mich abzulehnen.

Ich urteile hart über das, was andere sagen, denken oder tun.

Ich vermeide emotionale, körperliche und sexuelle Nähe, um Distanz herzustellen.

Meine Sucht nach Menschen, Substanzen oder bestimmten Handlungen hält mich davon ab, Intimität in einer Beziehung zu entwickeln.

Ich kommuniziere indirekt oder weiche Gesprächen aus, um Konflikte und Konfrontationen aus dem Weg zu gehen.

Ich unterdrücke Gefühle und Bedürfnisse, um mich nicht verletzlich zeigen zu müssen.

Ich ziehe Menschen an mich heran, aber wenn sie mir zu nahe kommen, stosse ich sie wieder weg.

Ich setze meinen Willen durch, um mich einer Macht die (gefühlt) grösser ist, als ich nicht hingeben zu müssen.

Ich bin der Überzeugung, dass der Ausdruck von Gefühlen ein Zeichen von Schwäche ist.

Ich vermeide das Ausdrücken von Wertschätzung oder Dankbarkeit.

C) Co-Abhängigkeit in Form von Anpassung

Ich bin sehr loyal und verharre lang in schäglichen Beziehungsgefügen.

Ich kompromittiere meine eigene Integrität und meine Werte, um Ablehnung, Widerspruch  oder Zorn zu vermeiden.

Ich vernachlässige die eigenen Interessen zugunsten der Dinge, die andere bevorzugen.

Ich reagiere hypersensibel auf die Gefühle anderer und übernehme sie.

Ich habe Angst meine Gefühle, Meinungen und Überzeugungen zu äussern, wenn sie von denen anderer abweichen.

Ich akzeptiere rein sexuelle Aufmerksamkeit, wenn ich mich eigentlich nach Liebe sehne.

Ich fälle Entscheidungen zugunsten anderer Menschen und lasse die Konsequenzen, die das für mich hat ausser acht.

Ich gebe meine eigene Wahrheit auf, um von anderen angenommen zu werden und um nichts ändern zu müssen.

D) Co-Abhängigkeit in Form von Selbstzweifeln

Es fällt mir schwer, Entscheidungen zu treffen.

Ich verurteile meine Gedanken, Worte und Taten als “nicht gut genug”.

Es berührt mich peinlich, wenn ich für etwas gelobt werde oder Geschenke bekomme.

Wenn andere mein Verhalten als gut empfinden ist mir das wichtiger, als mein eigenes Wohlbefinden.

Ich nehme mich selbst nicht als einen liebenswerten angenehmen Menschen wahr.

Ich suche nach der Aufmerksamkeit anderer, die ich glaube durch etwas verdient zu haben.

Es fällt mir sehr schwer Fehler zuzugeben.

Ich möchte gut in den Augen anderer wirken und würde sogar dafür lügen.

Ich kann andere nicht darum bitten, mir meine Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen.

Ich fühle mich anderen überlegen.

Ich suche in der Beziehung zu einem anderen Menschen Sicherheit.

Es fällt mir schwer Dinge anzugehen, Termine einzuhalten und Projekte zu Ende zu bringen.

Es fällt mir schwer gesunde Prioritäten zu setzen.

Co-Abhängigkeit in Form von Verdrängung

Ich habe Schwierigkeiten meine Gefühle wahrzunehmen.

Ich minimiere, verdrehe oder unterdrücke, wie ich wirklich fühle.

Ich nehme mich als absolut selbstlos und besorgt um das Wohl anderer wahr.

Mir fehlt das Einfühlungsvermögen in Gefühle und Bedürfnisse anderer.

Ich hänge anderen meine eigenen negativen Eigenschaften an.

Ich kann mich gut um mich kümmern und brauche keine Hilfe anderer Menschen.

Ich verstecke meinen Schmerz hinter Wut, Humor oder Rückzug in die Isolation.

Ich drücke Negativität oder Aggression auf indirekte passive Weise aus.

Ich erkenne die emotionale Nichtverfügbarkeit der Menschen, zu denen ich mich hingezogen fühle nicht.


Co-Abhängigkeit ist eines der Leitsymptome von unsicherem Bindungsverhalten. Sie äussert sich – je nach erworbenem Bindungs-Muster – auf unterschiedliche Art und Weise. Intime Beziehungen bringen bei allen Betroffenen alte unverarbeitete Ängste an die Oberfläche. Die oben aufgeführten Denk- und Verhaltensmuster sind unbewusste Versuche, diese Ängste zu dämpfen und in Schach zu halten. Co-Abhängigkeit hat ihren Ursprung in konditionierter in der Kindheit erlebter Verstrickung –  der Annahme, für die Gefühle anderer Verantwortung zu tragen und umgekehrt. Für ein besseres Verständnis empfehle ich diesen Artikel:    Co-Abhängigkeit und Verstrickung