Die Haupt-Trigger der unsicheren Bindungsstile

Trigger sind Reize, die einen Menschen bewusst oder unbewusst an Aspekte eines traumatischen Ereignisses erinnern und die damit verbundenen alten unverarbeiteten Gefühle an die Oberfläche bringen. Die daraus resultierenden Reaktionen und Handlungsimpulse sind so wesentlich heftiger, als es für die aktuelle Situation angemessen erscheint.

5 Haupt-Trigger beim ängstlich überinvolvierte Bindungsstil

Die Trigger dieses Bindungsstils basieren hauptsächlich auf den Glaubenssätzen „Ich bin nicht gut genug.“ und „Ich werde verlassen.“. Für Menschen mit diesem Bindungsverhalten ist die Angst vor dem verlassen werden ein permanenter Lebensbegleiter. Die Haupt-Trigger sind:

  1. Eine wahrgenommene Veränderung im Verhalten des Partners. Weniger Austausch und Zuwendung, die Fokussierung des Partners auf andere Dinge, sein missgelaunt sein etc. erzeugen Unsicherheit bis hin zu Panik. Daraus erwächst das zwanghafte Bedürfnis nach klärenden Gesprächen mit dem Ziel wieder mehr Nähe (und Kontrolle) über die eigene Angst und die Beziehung zu gewinnen.
  2. Allein sein. Aufgrund des starken Aussenfokus haben Menschen mit diesem Bindungsmuster kaum Kontakt zu sich selbst, den eigenen Intentionen und Bedürfnissen. Die innere Unsicherheit wird durch Identifikation mit anderen Menschen kompensiert. Allein sein erzeugt Unruhe, Angst und Leere. Ein quälender Zustand.
  3. Das Gefühl zurückgewiesen zu werden. Das betrifft nicht nur grosse Dinge, wie den Verlust eines Menschen durch Trennung. Auch die Ablehnung bei der Bewerbung für einen Job oder ein nicht eingeladen werden zu einem Ereignis machen starke negative Gefühle.
  4. Das Gefühl nicht gut genug zu sein oder nicht gemocht zu werden. Der fehlende Kontakt zu sich selbst zieht einen mangelnden Selbstwert nach sich. Es zeigt sich, sobald die Bestätigung von aussen einmal ausbleibt.
  5. Das Gefühl nicht gesehen zu werden / von anderen ignoriert zu werden / ausgeschlossen zu werden. Überinvolviert co-abhängiges Verhalten entsteht aus einem egozentrischem Denken und Empfinden. Menschen mit diesem Bindungsmuster reagieren sehr empfindlich darauf, von anderen nicht explizit einbezogen und gewertschätzt zu werden.

Mehr Info zu diesem Bindungsstil: BS ängstlich überinvolviert

5 Haupt-Trigger bei ängstlich vermeidendem Bindungsverhalten

Die Trigger dieses Bindungsstils resultieren aus Glaubenssätzen, wie „Ich werde betrogen.“ und „Ich bin in einer Falle.“. Die Inkongruenz im Verhalten früher Bezugspersonen ist Ursache für die ausgeprägte Ambivalenz im Denken, Fühlen und Handeln von Menschen mit diesem Bindungsverhalten. Die Haupt-Trigger sind:

  1. Das Gefühl eines Vertrauensbruchs. Nicht nur Lügen, sondern auch kleine wahrgenommene Diskrepanzen zwischen Worten und Taten des Partners führen zu heftigen Emotionen und entsprechenden Reaktionen. Auch eine fehlende Transparenz gehört dazu.
  2. Das Gefühl kontrolliert zu werden oder ausser Kontrolle zu sein. Dieser Trigger besteht ganz besonders dann, wenn ein Kind in der Prägungsphase viel Streit und emotionalen Ausbrüchen ausgesetzt war oder wenn eine Bezugsperson Suchtverhalten zeigte bzw. an einer Persönlichkeitsstörung litt. Folge ist ein übertriebenes Unabhängigkeitsverlangen bei gleichzeitigem Kontrollverhalten anderen Menschen gegenüber (ohne dass der Betroffene die Widersprüchlichkeit dessen erkennt).
  3. Erwartungen anderer Menschen. Das ist ein wichtiger Schattenaspekt diese Bindungsmusters, der auf dem unbewussten Gedanken: „Mein Gegenüber setzt mich unter Druck, während ich mich selbst schon so sehr unter Druck setze.“ beruht. Das Resultat ist der Drang dem Erwartungsdruck irgendwie entkommen zu müssen.
  4. Das Gefühl ausgenutzt zu werden. Menschen mit diesem Bindungsmuster verletzen oft ihre eigenen Grenzen, weil sie es anderen recht machen wollen. Ursache dafür ist ihr inneres Gefühl unsicher und wertlos zu sein und dafür bestraft zu werden, wenn sie etwas falsch machen. Sie neigen dazu sich zu überfordern. Wenn dann eine Erwartung von aussen an sie herangetragen wird kommt es zu heftigen Abwehrreaktionen.
  5. Das Gefühl nichts wert zu sein. Dieses Gefühl hat seinen Ursprung in einer emotionalen Vernachlässigung in der Prägungsphase. Es ist eine der tiefsten Wunden dieses Bindungsmusters, was mit starken Schamgefühlen verbunden ist. Menschen mit diesem Bindungsverhalten fühlen sich in der Tiefe unwichtig.

Mehr Info zu diesem Bindungsstil: BS ängstlich vermeidend

6 Haupt-Trigger bei abweisend vermeidendem Bindungsverhalten

Die Trigger dieses Bindungsmusters basieren auf Glaubenssätzen, wie „Jeder ist für sich selbst verantwortlich.“ und „Ich bin nicht richtig.“. Daraus resultiert ihr starkes Bedürfnis danach eigenständig und unabhängig zu sein. Das ist für sie der Garant für ein weiteres wichtiges Bedürfnis, nämlich das Bedürfnis nach einem Gefühl von Sicherheit. Die Haupt-Trigger sind:

  1. Emotionale Ausbrüche in Beziehungen. Das ist ein besonders starker Trigger für dieses Bindungsmuster, denn emotionale Ausbrüche  gefährden ihr Bedürfnis nach Konsistenz, Kongruenz und Vorhersehbarkeit. (!! Wenn ein ängstlicher Bindungstyp dazu neigt mit dem Abbruch der Beziehung zu drohen wird er einen kurzfristigen emotionalen Gewinn haben, den er langfristig teuer bezahlt: Ein abweisender Vermeider wird zunächst alles geben um das Beziehungs-Aus zu verhindern. Doch kurz danach verändert sich etwas in seiner Wahrnehmung, seine Gefühle erkalten und die Beziehung beginnt langsam zu erodieren !!)
  2. Das Gefühl kritisiert zu werden. Zwar kommen Menschen mit diesem Bindungsmuster vor allem im beruflichen Bereich ganz gut mit konstruktiver Kritik zurecht, aber Streitgespräche und scharfe Worte triggern stark ihre „Ich bin nicht richtig.“- Wunde. Empfundene Kritik verursacht tiefe Schamgefühle, die sie mit ihrem Rückzug versuchen zu kompensieren.
  3. Erwartungen anderer Menschen. Die Ursachen sind anders gelagert als beim ängstlich vermeidenden Bindungstyp. Abweisende Vermeider fühlen sich nicht dazu in der Lage und sie haben in der Regel eine Beziehungsgeschichte hinter sich, die ihnen das wiederholt gespiegelt hat. Ein Satz, der oft fällt ist: „Mein Partner ist der Meinung ich mache alles falsch.“ Sie zeigen Zuneigung auf ihre Art und Weise. In der Regel durch Unterstützung. Eine andere kennen sie nicht. Wenn der Partner ihnen sagt, dass er sich nicht geliebt fühlt, dann triggert es sie extrem, denn damit werden all ihre Verletzungsebenen berührt. Das Resultat ist langfristig in der Regel Resignation.
  4. Druck sich zu emotional öffnen zu müssen. Wenn Menschen mit diesem Bindungsstil dazu genötigt werden sich verletzlich zu zeigen berührt das mehrere ihrer Wunden („Ich bin nicht sicher.“, „Ich werde kontrolliert.“). Besonders letzteres erzeugt ein Gefühl des Verlusts von Unabhängigkeit, was sie immens stresst und in den Überlebensmodus katapultiert.
  5. Nicht gewertschätzt werden. Sie mögen zwar keine grosse Aufmerksamkeit oder überschwengliches Lob, brauchen aber das Gefühl, dass sie für ihre Bemühungen gesehen und anerkannt werden. Sie sind sich im Innersten generell unsicher, wenn es um emotionale Themen und Belange geht, denn sie haben keine Referenz dafür. Ihre kindlichen Bezugspersonen waren emotional nicht erreichbar und Gefühle sind unterbewusst negativ belegt. Wenn das Gegenüber also sagt: „Ich möchte, dass du dich emotional öffnest.“, dann ist das für einen Menschen mit abweisend vermeidenden Mustern eine Aufforderung dazu, sich seiner grössten Angst zu stellen und wenn er sich ihr dann tatsächlich stellt und das Gefühl hat, dass es nicht gesehen wird oder nicht genug ist reagiert er mit abrupten Rückzügen.
  6. Wahrgenommene Grenzverletzung. Ihre Schwierigkeiten Grenzverletzungen im Moment zu spüren und dem Partner die eigenen Grenzen zu kommunizieren führen oft zum Aufbau von innerem Groll. Dann genügt eine Kleinigkeit, wie das nicht besprochene Umstellen eines Möbelstücks um sie stark zu triggern und entsprechend heftige Reaktionen zu provozieren.

Mehr Info zu diesem Bindungsstil: BS abweisend vermeidend

Die intensive Arbeit mit diesen Trigger-Situationen ist eine wichtige Säule im Heilungsprozess. Schattenarbeit und die Etablierung stabiler Grenzen sind weitere. Alle Bestrebungen in der Therapie dienen der Lösung aller Konditionierungen aufgrund von Prägungserfahrungen.

Heilung bedeutet die Etablierung eines tiefen Gefühls von Sicherheit in und mit mir selbst.

Wenn ich mich mit mir sicher fühle kann ich mich auch in der Welt und mit anderen Menschen sicher fühlen. Dann muss ich nicht mehr permanent auf der Hut und im Überlebensmodus sein. Dann kann ich das Jetzt annehmen, so wie es sich gerade zeigt. Erst wenn ich diese Sicherheit in mir trage kann ich das Leben und die Beziehungen, die ich eingehe angstfrei in vollen Zügen geniessen.

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