Narzisstische Eltern – 10 Merkmale

Wenn ein Kind in einem Haushalt aufwächst, in dem einer oder beide Elternteile narzisstische Züge aufweisen, dann wird dieses Kind im späteren Leben ein unsicheres Bindungsverhalten zeigen. Beziehungen werden sich schwierig gestalten und Schmerz verursachen. Die Gründe, Zusammenhänge und Dynamiken dahinter bleiben leider oft unerkannt, denn:

Ein Kind kennt nur die eigene erlebte Realität! Sie formt sein Weltbild. Das Kind ist – zumindest bis zum 8.Lebensjahr – nicht in der Lage diese Realität zu hinterfragen, geschweige denn kritisch zu betrachten! Folge ist, daß es Menschen auch im späteren Leben sehr schwer fällt zu erkennen und zu akzeptieren, daß ihre Kindheit alles andere als optimal verlaufen ist und daß ihre erlebte Normalität negative Konsequenzen für die Entwicklung ihrer kindlichen Psyche hatte. Die Annahme dessen ist jedoch Voraussetzung für die Möglichkeit der Aufarbeitung der entstandenen Defizite.

Was sind typische Verhaltensweisen narzisstischer Eltern?

Das “Gold-Kind” und das “Schwarze Schaf”

Unter den Geschwistern wird – bewußt oder unbewußt – ein Kind zum Liebling und Vorzeige-Objekt auserkoren. Ein anderes übernimmt für sie die Rolle des Sündenbocks und kann – ob es sich nun anstrengt oder nicht – den Erwartungen der Eltern nicht genügen. Das Ganze hat vielschichtige Gründe, es dient aber letztlich immer der emotionalen Stabilisierung des Erwachsenen. Fatal ist es für beide Kinder. Das Gold-Kind ist in der Regel das anpassungswilligere und/oder es hat eine besonders hübsche und anziehende Ausstrahlung. Es eignet sich entsprechend gut zur Selbstaufwertung! Oft wird auch das Kind aus einer neuen Beziehung als “Gold-Kind” auserwählt, um sich des Gefühls des Scheiterns in der alten Beziehung zu entledigen. Ein “Vorzeige-Kind” verliert mit der Zeit den Kontakt zu seinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Später neigt es selbst zu narzisstischen Verhaltensweisen und Egozentrik. Die Frustrationstoleranz ist schlecht entwickelt und es fühlt sich schnell überfordert. Ein Kind, was frühzeitig “einen eigenen Kopf” entwickelt, was weniger bereit ist sich den geforderten Normen anzupassen, vielleicht sogar dazu neigt, den Erwachsenen herauszufordern und Anordnungen zu hinterfragen bzw. aus einer gescheiterten Beziehung stammt wird in die Rolle des “schwarzen Schafs” gedrängt: Dieses Kind kann in den Augen des Erwachsenen nichts richtig machen. Die eigenen Frustrationen, Unzulänglichkeiten und Schamgefühle werden auf das Kind projiziert. Sie müssen so nicht mehr gefühlt und wahrgenommen werden. Dieses Kind wird in der Regel sehr schnell selbstständig. Es neigt im späteren Leben dazu Beziehungen einzugehen, die ihm die alten Kindheits-Verletzungen spiegeln, indem es Partner wählt, die emotional nicht erreichbar sind. Es kämpft so unterbewußt weiter um die ihm verwehrte Liebe und Zuneigung der Eltern.

Überschreitung der persönlichen Grenzen des Kindes

Der Erwachsene sieht das Kind als eine Art Verlängerung seines Selbst. Dadurch existieren die Grenzen des Kindes für ihn nicht! Folge dessen ist die Unfähigkeit Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen, darauf einzugehen und sie zu befriedigen. Eine Privatsphäre des Kindes existiert so nicht und wenn nur sehr begrenzt. Man verfügt je nach Lust und Laune über dessen Eigentum oder neigt dazu sich, aufgrund der eigenen Bedürftigkeit, körperliche Nähe vom Kind einfach zu nehmen. Vor anderen Menschen spricht der Erwachsene vom Kind oft wie von eine Sache. Da das Kind als Verlängerung der eigenen Person wahrgenommen wird kommen “Verhaltenskorrekturen” entweder gar nicht oder sie fallen extrem heftig und unangemessen aus.

Das Kind gehört mir

Wenn sich diese Eltern trennen instrumentalisieren sie das Kind in ihrem Kampf um Macht. Das Kind wird als Eigentum betrachtet. Auf diese Art und Weise wird Vergeltung gesucht. Man verweigert dem Ex-Partner z.B. den regelmäßigen Kontakt, untergräbt direkt oder subtil dessen Autorität und Ansehen beim Kind oder vermittelt Schuldgefühle. Vom Kind wird eine möglichst ungeteilte Liebe und Zuneigung erwartet. Erste Freundschaften mit dem anderen Geschlecht werden als Verrat empfunden und untergraben. Auf der anderen Seite setzt man alles daran, daß das Kind die Ziele, die man für es festgelegt hat auch erreicht.

“Gaslighting”

Das ist eine Strategie, um in einer Beziehung durch das Erzeugen von Verwirrung und Verunsicherung mehr Macht zu gewinnen: Der Erwachsene erzählt z.B. mit Überzeugung offensichtliche Lügen und macht das Kind so glauben, es wäre “verrückt” und könne seiner Wahrnehmung nicht vertrauen. Es wird in Folge dessen kontrollierbarer! “Ich weiß nicht wovon du redest.” oder “Du hast eine lebhafte Fantasie.” könnten Äußerungen sein, die die Realität des Kindes in Frage stellen. Durch diese Selbstzweifel verliert es zwangsläufig sein Selbstvertrauen. Dazu gehört aber auch die vom Kind beobachtete Diskrepanz zwischen Worten und Taten der Eltern oder der Wechsel von Abwertung und zeitweise eingeschobenen liebevollen Handlungen und Nettigkeiten. All das untergräbt beim Kind das Gefühl von Stabilität und Sicherheit! Typisch ist ebenso die Projektion der eigenen Schwächen und Schuldgefühle aufs Kind. Es dient ebenfalls der Stärkung der Machtposition, aber auch dem überspielen eigener Fehler, der Ignoranz von Problemen und der Befreiung von einer inneren Schuldlast.

Manipulation des Umfelds

Eltern neigen dazu die “Probleme des Kindes” mit Verwandten und Freunden in einem für sie positivem Licht zu diskutieren. Sie schaffen sich damit in zweierlei Hinsicht Sicherheit: Es dient sowohl der Verdrängung wahrer Beweggründe vor sich selbst als auch der Sicherstellung, daß dem Kind – falls es sich mit seinen Nöten an andere wendet – kein Glauben geschenkt wird. Das Kind wird damit in seiner Realität isoliert, was zu einem starken Gefühl von Einsamkeit führt.

Liebe für Leistung

Die Eltern lieben das Bild, das sie sich von ihrem Kind machen. Sie haben dieses Bild erschaffen und formen das Kind danach. Es sind vielleicht sportliche Höchstleistungen, die sie erwarten oder sie wollen ein Sprachgenie aus ihrem Kind machen. In jedem Fall werden die Neigungen und Wünsche des Kindes ignoriert und vernachlässigt. Bestrafung erfolgt über den Entzug der Dinge, die dem Kind am wichtigsten sind. Das Kind lernt, daß Liebe nur für Leistung und Anpassung zu bekommen ist. Dementsprechend sucht es sich als Erwachsener ein Umfeld, was diesen Glaubenssatz bestätigt. Es wird Partner wählen, die emotional nicht erreichbar sind und um die es permanent kämpfen muß.

Physische Gewalt um “Respekt” zu erlangen

Angst bindet ein Opfer an den Täter. Kinder, die körperliche Gewalt erfahren haben verbinden unterbewußt Respekt mit Angst. Als Folge dessen haben sie oft ein Leben lang Schwierigkeiten mit Obrigkeiten. Entweder sie geraten mit ihnen ständig in Konflikt oder sie gehen entsprechenden Situationen komplett aus dem Weg, was sie in ihrer Entwicklung und Lebensplanung massiv einschränken kann. Aufgrund der unterbewußten Verknüpfung von Liebe und Schmerz landen sie immer wieder in schmerzhaften Beziehungen und können auch nur dann ein Gefühl von Liebe empfinden, wenn sie verletzt und mißbraucht werden.

“Du bist für meine Gefühle verantwortlich”

Liebe ist an gewisse Bedingungen geknüpft. Sie wird entzogen – teilweise subtil und passiv agressiv -,  wenn das Kind den Erwartungen der Eltern nicht entspricht. Das Kind erlebt Situationen, in denen es glaubt nicht richtig zu sein. Nicht die Handlungen werden in Frage gestellt sondern sein ganzes Wesen: Botschaften, die das Kind erhält sind: “Du bist faul.” “Du bist dumm.” oder “Du bist schlecht.” Die daraus resultierenden Gefühle von Scham, Fehlerhaftigkeit und Wertlosigkeit sind eine Hauptursache für spätere Probleme mit Nähe und Intimität in Partnerschaftsbeziehungen.

Unfähigkeit zur Selbstkritik

Die Eltern sind nicht in der Lage ihre Reaktionen und Handlungen zu reflektieren und zu hinterfragen. Entschuldigungen für Fehlverhalten gibt es aufgrund dieser emotionalen Unreife also auch nicht. Menschen mit ausgeprägt narzisstischen Zügen sind nicht dazu in der Lage sich empathisch in andere einzufühlen. Sie haben sich eine Art “Parallel-Realität” errichtet, in der sie abgeschirmt vom Rest der Welt leben.

Siehe: www.katikoerner.de/wenn-dem-partner-empathie-fehlt/

Schuldzuweisungen

Sie neigen dazu unterbewußt ihre unerfüllten Wünsche und Sehnsüchte auf das Kind zu projizieren. Setzt es ihre Träume nicht um wird es mit Vorwürfen konfrontiert um Mitleid zu erzeugen: “Ich hab alles für dich getan und mein Leben geopfert!” ist der Grundtenor, den das Kind zu spüren bekommt, damit es sich ihnen gegenüber in der Schuld fühlt. Man setzt alles daran, die emotionale Abhängigkeit des Kindes auch im erwachsenen Alter aufrecht zu erhalten.

Was tun, wenn du betroffen bist oder dich selbst wieder erkennst?

Das Erkennen und Annehmen der Situation selbst ist ein erster Schritt in Richtung Heilung. Die Akzeptanz der Tatsache, dass deine Kindheit nicht optimal verlaufen ist wird in dir wahrscheinlich anfangs Schmerz oder sogar Widerstand erzeugen. Lasse den Schmerz zu! Nimm dir die Zeit, die du brauchst, dich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Habe Mitgefühl mit dir selbst! Suche dir Hilfe und Unterstützung wenn Widerstände aufkommen oder wenn du fest steckst! Es ist ganz besonders wichtig, dass du dich in deiner Selbstwahrnehmung übst. Wahrscheinlich fällt dir das sehr schwer, denn es wurde dir nicht vorgelebt. Setze dir kleine realistische Ziele. Eine stabile, zuverlässige und erfüllte intime Beziehung ist möglich, wenn du entschlossen daran arbeitest. Du kannst deinen Kindern dann ein gesünderes Bild von Liebe und Beziehung vorleben!

Wenn du oben genannte Verhaltensweisen in dir selbst erkennst, dann hast du gerade einen ersten Schritt in Richtung positiver Veränderung unternommen: Du reflektierst dich und dein Verhalten. Das verdient den allergrössten Respekt, denn es erfordert ziemlich viel Mut! Du hattest Eltern, die dazu nicht in der Lage waren. Sie konnten dir nicht das geben, was du für eine gesunde emotionale Entwicklung gebraucht hättest! Sicher ist das im ersten Moment eine sehr traurige Erkenntnis, vielleicht sogar ein Schock. Bedenke aber – du hast die Möglichkeit das erneute “weiter reichen” dieser emotionalen Defizite zur nächsten Generation zu verhindern! Das ist den schwierigen Weg der vor dir liegt sicher wert. Und da draussen gibt es genügend Hilfe und Unterstützung, wenn du sie brauchst. Ergreife bitte diese Chance! Ich verspreche dir, mit der Zeit wird es sich so anfühlen, als ob du aus dem Nebel ins Licht trittst. Dann wird es für dich unvorstellbar sein in alte Muster zurück zu kehren. Du wirst dich vitaler und ausgeglichener fühlen und Beziehungen endlich genießen können!

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